Modulseite

Lektion 1 von 9

Druckverfahren und was sie von deinen Daten verlangen

Du kennst Offset-, Digital-, Sieb- und Grossformatdruck aus Sicht der Druckvorstufe, berechnest den Kipppunkt und wählst für Aufträge mit mehreren Produkten passende Verfahren.

ca. 40 Min.0/3 Checks gelöst

Worum es geht

Montagmorgen bei der Werbeagentur Rheintal Kommunikation in Altstätten. Auf Ninas Tisch liegen zwei Aufträge des Weinguts Sonnenhalde aus Berneck: 120 Einladungskarten für die Herbstdegustation und ein Weinkatalog mit 24 Seiten in 3000 Exemplaren. Die Gestaltung ist fertig, der Winzer ist zufrieden. Jetzt beginnt der Teil, den Kundinnen und Kunden nie sehen, der aber über Erfolg oder Ärger entscheidet: die Druckvorstufe.

Bevor Nina auch nur ein Bild anfasst, muss sie eine Frage klären: Wo und wie wird gedruckt? Das klingt banal, steuert aber fast jede technische Einstellung, die in den nächsten Lektionen vorkommt. Das Druckverfahren bestimmt, welches Farbprofil gilt, wie viel Auflösung die Bilder brauchen, wie fein Linien sein dürfen, ob Sonderfarben möglich sind und wie das PDF aussehen muss. Wer Daten "einfach mal für den Druck" macht, ohne das Verfahren zu kennen, arbeitet im Blindflug.

In Modul 272 hast du Digital- und Offsetdruck schon aus Sicht der Kosten und der Gestaltung verglichen. Hier schauen wir mit der Brille der Druckvorstufe hin: Was verlangt jedes Verfahren von deinen Daten? Und wie wählst du bei einem Auftrag mit mehreren Produkten das passende Verfahren so, dass die Daten am Ende zusammenpassen?

Vier Verfahren, vier Arten Farbe aufs Material zu bringen

Stell dir vier Handwerker vor, die dieselbe Wand bemalen sollen. Der erste baut eine Schablone und rollt Farbe darüber: aufwendig vorzubereiten, dann aber extrem schnell und gleichmässig. Der zweite sprüht jede Stelle einzeln: sofort einsatzbereit, aber pro Quadratmeter langsamer. Der dritte drückt dicke Farbe durch ein Sieb. Der vierte fährt mit einer riesigen Sprühdüse über eine Plane. Genau so unterscheiden sich die Druckverfahren.

Offsetdruck

Im Offsetdruck wird für jede Farbe eine Druckplatte belichtet. Die Platte überträgt die Farbe auf ein Gummituch, und erst das Gummituch druckt aufs Papier (darum "offset", also versetzt). Die Platten kosten Geld und Zeit für das Einrichten, danach läuft die Maschine sehr schnell. Es gibt zwei Bauarten:

  • Bogenoffset: Papier in einzelnen Bogen, zum Beispiel 70 × 100 cm. Typisch für Kataloge, Broschüren, Flyer ab einigen Tausend Stück.
  • Rollenoffset: Papier ab der Rolle, für sehr hohe Auflagen wie Zeitungen, Prospekte und Magazine.

Für die Daten bedeutet das: CMYK-Separation nach einem genormten Profil (zum Beispiel PSO Coated v3), Rasterweiten um 60 bis 80 Linien pro Zentimeter, Sonderfarben als eigene Platte möglich.

Digitaldruck

Im Digitaldruck gibt es keine Druckplatte. Die Maschine bebildert jeden Bogen direkt aus den Daten, mit Toner (elektrofotografisch) oder Tinte (Inkjet). Darum kostet das Einrichten fast nichts, jedes Exemplar kann anders aussehen (personalisierte Einladungen), dafür ist das einzelne Blatt teurer. Die Bogen sind kleiner, verbreitet ist SRA3 (320 × 450 mm).

Für die Daten: meist CMYK-PDF, das die Maschine über ihr eigenes Farbmanagement ausgibt. Echte Sonderfarben sind selten, viele Maschinen simulieren Pantone aus CMYK. Einige Systeme bieten zusätzliche Farben wie Weiss, Gold oder Silber, die als Sonderfarbe mit einem bestimmten Namen angelegt werden müssen.

Siebdruck

Beim Siebdruck drückt eine Rakel die Farbe durch ein feines Gewebe, das an den nicht druckenden Stellen abgedeckt ist. Die Farbschicht ist dick, deckend und sehr beständig. Siebdruck bedruckt fast alles: Textilien, Glas, Kunststoff, Holz, Werbetafeln. Er wird meist mit wenigen Volltonfarben gearbeitet.

Für die Daten: Vektorgrafik, jede Farbe sauber als Sonderfarbe getrennt, eher grobe Details. Fotos sind möglich, aber nur mit grobem Raster.

Large Format (Grossformat-Inkjet)

Für Plakate F4, Messewände, Fahnen und Banner arbeiten Druckereien mit Grossformat-Inkjet-Druckern, die von der Rolle oder auf feste Platten drucken. Der Betrachtungsabstand ist gross, darum reicht eine viel tiefere Bildauflösung als bei einem Flyer.

Für die Daten: CMYK oder RGB je nach Datenblatt, häufig mit eigenem Beschnitt oder Saum für Ösen und Hohlsaum. Bei sehr grossen Formaten verlangen einige Druckereien Daten im Massstab 1:10. Dann musst du alle Masse durch zehn teilen und die Bildauflösung verzehnfachen.

Check 1 · ZuordnenEinstieg

Ordne jedem Druckverfahren das passende Merkmal zu.

Was das Verfahren für deine Daten bedeutet

Die folgende Tabelle ist dein Kompass. Die Werte sind übliche Richtwerte, die konkreten Vorgaben stehen immer im Datenblatt der Druckerei.

MerkmalBogenoffsetDigitaldruckSiebdruckLarge Format
Einrichtkostenhoch (Platten)sehr tiefmittel (Siebe)tief
Typische Auflageab ca. 10001 bis einige HundertDutzende bis Tausende1 bis wenige
FarbaufbauCMYK plus SonderfarbenCMYK, teils ZusatzfarbenVolltonfarbenCMYK, teils plus Light-Farben und Weiss
Bildauflösung im Endformatca. 300 ppica. 300 ppiabhängig vom groben Rasterca. 100 bis 150 ppi
Personalisierungneinjaneineingeschränkt
MaterialienPapier, KartonPapier, Karton, Folienfast allesPapier, Folie, Stoff, Platten

Papier gehört zum Verfahren

Das Papier entscheidet mit, welches Farbprofil gilt. Gestrichenes Papier (Bilderdruck glänzend oder matt) hat eine glatte Oberfläche, die Farbe bleibt oben liegen, die Rasterpunkte bleiben scharf, die Farben wirken brillant. Ungestrichenes Papier (Naturpapier, Offsetpapier) saugt die Farbe auf, die Punkte laufen breiter, Farben wirken matter und dunkle Bildteile laufen schneller zu. Darum gibt es getrennte Profile für beide Papierklassen, und darum muss Nina wissen, dass der Weinkatalog auf Naturpapier gedruckt wird, bevor sie Bilder für den Druck aufbereitet.

Check 2 · Eine AntwortEinstieg

Der Weinkatalog wird auf ungestrichenem Naturpapier gedruckt statt auf gestrichenem Bilderdruckpapier. Was bedeutet das für die Druckdaten?

Auswählen: Auflage, Material, Farbe, Termin

Nina geht bei jeder Anfrage dieselben fünf Fragen durch:

  1. Auflage: Wie viele Exemplare? Kleine Auflagen sprechen für Digitaldruck, grosse für Offset.
  2. Material und Format: Papier, Karton, Textil, Plane? A6 oder 3 Meter breit? Das schränkt die Verfahren schon stark ein.
  3. Farben: Reicht CMYK oder braucht es eine exakte Hausfarbe, Metallic oder Weiss auf dunklem Material?
  4. Personalisierung: Soll jedes Exemplar einen anderen Namen tragen? Dann führt kein Weg am Digitaldruck vorbei.
  5. Termin und Budget: Digitaldruck ist oft in ein bis zwei Tagen fertig, Offset braucht Platten, Trocknung und Weiterverarbeitung.

Der Kipppunkt ist die Auflage, ab der Offset günstiger wird als Digitaldruck. Er liegt je nach Produkt irgendwo zwischen einigen Hundert und wenigen Tausend Exemplaren. Du findest ihn, indem du für beide Verfahren die Fixkosten (Einrichten, Platten) und die Kosten pro Stück vergleichst. Im Code-Labor automatisierst du das.

Schritt für Schritt: Die Verfahren für das Weingut Sonnenhalde

Nina hat zwei Offerten eingeholt. Die Zahlen sind Beispielwerte, wie sie in einer realen Offerte stehen könnten.

1. Anforderungen sammeln.

ProduktAuflageFormatPapierBesonderheit
Einladungskarte120A6, 4/4-farbig350 g/m² NaturkartonName des Gastes auf jeder Karte
Weinkatalog3000A4, 24 Seiten120 g/m² Naturpapier ungestrichenHausfarbe Weinrot

2. Ausschlusskriterien prüfen. Die Karten sind personalisiert. Damit ist Offset für die Namen ausgeschlossen, der Digitaldruck ist gesetzt.

3. Kipppunkt für den Katalog rechnen.

FixkostenKosten pro Exemplar
DigitaldruckCHF 80CHF 3.10
BogenoffsetCHF 1900CHF 0.95

Gleichung: 80 + 3.10 × n = 1900 + 0.95 × n, also 2.15 × n = 1820 und n ≈ 847. Ab etwa 847 Exemplaren ist Offset günstiger. Bei 3000 Exemplaren kostet Digitaldruck CHF 9380, Offset CHF 4750. Klare Sache: Bogenoffset.

4. Konsequenzen für die Daten notieren.

  • Katalog: Offset auf ungestrichenem Papier, also Profil PSO Uncoated v3, maximal 300 % Farbauftrag, Weinrot als Pantone-Sonderfarbe auf eigener Platte möglich.
  • Karten: Digitaldruck, das Weinrot wird aus CMYK simuliert. Nina bittet die Druckerei um einen Probedruck, um das Rot mit dem Katalog abzugleichen.

5. Termine abstimmen. Der Katalog braucht einen Proof und Trocknungszeit, er geht deshalb zuerst in Produktion. Die Karten folgen eine Woche später, wenn die Gästeliste vollständig ist.

Check 3 · Code-LaborFortgeschritten

Code-Labor: Kipppunkt Digital- oder Offsetdruck

Eine Offerte besteht aus Fixkosten (Einrichten, Platten) und Kosten pro Exemplar. Schreibe drei Funktionen:

  • kosten(angebot, auflage) gibt die Gesamtkosten in CHF zurück. Ein Angebot ist ein Dictionary wie {"fix": 1900, "pro_stueck": 0.95}.
  • kipppunkt(digital, offset) gibt die kleinste ganze Auflage zurück, ab der Offset gleich teuer oder günstiger ist als Digitaldruck. Ist Offset pro Stück nicht günstiger, wird er nie günstiger: Dann gib None zurück.
  • empfehlung(digital, offset, auflage) gibt "Offsetdruck" zurück, wenn Offset bei dieser Auflage günstiger ist, sonst "Digitaldruck".

Testdaten aus der Lektion: Digital CHF 80 fix und CHF 3.10 pro Stück, Offset CHF 1900 fix und CHF 0.95 pro Stück. Kipppunkt: 847 Exemplare.

Code-Labor · Python
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Typische Fehler

  • Daten machen, bevor das Verfahren klar ist. Wer ein PDF für gestrichenes Papier exportiert und später erfährt, dass auf Naturpapier gedruckt wird, liefert zu dunkle Bilder mit zu viel Farbe. Kläre Verfahren und Papier zuerst.
  • Nur auf den Preis schauen. Digitaldruck ist bei kleinen Auflagen günstiger, aber nicht jedes Material und jede Sonderfarbe ist möglich. Prüfe zuerst Material, Farben und Personalisierung, dann die Kosten.
  • Sonderfarben im Digitaldruck erwarten. Die meisten Digitaldruckmaschinen drucken nur CMYK. Ein Pantone-Orange kann dort deutlich anders aussehen. Plane einen Probedruck ein.
  • Large-Format-Daten wie Flyer behandeln. Eine Messewand mit 300 ppi in Originalgrösse ergibt riesige Dateien ohne sichtbaren Gewinn. Halte dich an die Auflösung und den Massstab im Datenblatt.

Zusammenfassung

  • Das Druckverfahren ist die erste Entscheidung der Druckvorstufe und bestimmt Profil, Auflösung, Farbaufbau und PDF-Vorgaben.
  • Offset: teure Platten, günstig ab mittlerer Auflage, CMYK plus Sonderfarben. Digitaldruck: keine Platten, personalisierbar, ideal für kleine Auflagen.
  • Siebdruck: dicke, deckende Volltonfarben auf fast jedem Material. Large Format: grosse Formate mit tieferer Auflösung, manchmal im Massstab 1:10.
  • Gestrichenes und ungestrichenes Papier brauchen unterschiedliche Profile.
  • Der Kipppunkt ergibt sich aus Fixkosten und Stückkosten beider Verfahren.
  • Bei Aufträgen mit mehreren Produkten stimmst du Verfahren, Farben und Termine aufeinander ab und informierst den Kunden über mögliche Farbabweichungen.

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