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Lektion 1 von 9

Was ein Backup wirklich ist

Du unterscheidest Backup von RAID, Snapshot und Synchronisation, kennst die Schadenszenarien eines KMU und prüfst eine bestehende Sicherung gegen die 3-2-1-1-0-Regel.

ca. 35 Min.0/4 Checks gelöst

Worum es geht

Ein Freitagabend im Herbst. Bei einem Ingenieurbüro in der Nachbarstadt startet um 23 Uhr eine Ransomware. Bis zum Morgen sind Fileserver, Buchhaltung und die NAS mit allen Sicherungen verschlüsselt. Das Büro hatte ein Backup, jede Nacht, mit grünen Erfolgsmeldungen. Nur lag es auf einem Gerät, das der Angreifer genauso erreichen konnte wie die Originaldaten.

Zwei Wochen später sitzt der Geschäftsführer der Ingenieurbüro Lanz AG in Solothurn mit seinem Lernenden zusammen und fragt: «Wäre uns das auch passiert?» Die ehrliche Antwort ist: ja. Die Lanz AG sichert jede Nacht mit der Windows Server-Sicherung auf eine USB-Disk, die direkt neben dem Server steht. Einen Restore hat noch nie jemand ausprobiert.

In dieser Lektion klärst du, was ein Backup überhaupt ist, wovor es schützen muss und woran du eine gute Sicherung erkennst. Am Ende prüfst du die Lösung der Lanz AG mit einem Python-Programm gegen die wichtigste Faustregel der Branche.

Backup, RAID, Snapshot, Synchronisation: vier Dinge, die oft verwechselt werden

Viele Betriebe glauben, sie hätten ein Backup, und haben in Wahrheit etwas anderes. Die vier Begriffe klingen ähnlich, schützen aber vor ganz unterschiedlichen Dingen.

Eine Analogie aus dem Alltag hilft:

  • RAID ist wie ein Reserverad im Auto. Platzt ein Reifen (fällt eine Disk aus), fährst du weiter. Wenn du aber in die falsche Richtung fährst (eine Datei löschst), hilft dir das Reserverad nicht: RAID spiegelt auch jede Löschung sofort.
  • Ein Snapshot ist wie ein Lesezeichen im selben Buch. Du kannst zu einem früheren Stand zurückblättern. Brennt das Buch, ist das Lesezeichen mitverbrannt, denn der Snapshot liegt auf demselben Speicher wie die Originaldaten.
  • Eine Synchronisation (z.B. OneDrive, Dropbox, robocopy /MIR) ist ein Spiegel: Er zeigt immer den aktuellen Zustand. Löschst oder verschlüsselst du etwas, spiegelt er das treu auf die andere Seite.
  • Ein Backup ist eine Kopie im Tresor, mit Datum beschriftet und mehrere Generationen tief. Sie liegt getrennt vom Original und lässt sich gezielt auf einen früheren Stand zurückholen.
MassnahmeSchützt vor DiskausfallSchützt vor versehentlichem LöschenSchützt vor Brand am StandortSchützt vor Ransomware
RAID 1/5/6janeinneinnein
Snapshot auf demselben NASnein, wenn das NAS ausfälltja, kurzfristigneinnur bedingt
Synchronisation in die Cloudjanein, Löschung wird übernommenjanein, Verschlüsselung wird übernommen
Versioniertes Backup an anderem Ortjajaja, wenn ausser Hausja, wenn offline oder unveränderbar
Check 1 · Eine AntwortEinstieg

Ein Treuhandbüro speichert alle Daten auf einem Server mit RAID 1 (zwei gespiegelte Disks). Der Inhaber meint: «Ein Backup brauchen wir nicht, die Daten liegen ja doppelt.» Eine Mitarbeiterin löscht versehentlich den Ordner eines Mandanten. Was passiert?

Wogegen ein Backup schützen muss

Bevor du über Software sprichst, überlegst du, was überhaupt passieren kann. In KMU sind es fast immer dieselben Szenarien:

SzenarioBeispiel aus dem AlltagWas die Sicherung können muss
HardwaredefektRAID-Controller defekt, zwei Disks gleichzeitig ausgefallenKopie auf anderem Gerät
FehlbedienungProjektordner überschrieben, erst nach einer Woche bemerktältere Versionen über mehrere Wochen
Logischer FehlerUpdate beschädigt die Buchhaltungsdatenbankkonsistenter Stand der Datenbank vor dem Update
RansomwareAngreifer verschlüsselt Server und löscht erreichbare BackupsKopie, die der Angreifer nicht löschen kann
ElementarereignisWasserschaden im Serverraum im Keller, BrandKopie ausser Haus
DiebstahlEinbruch, Server und USB-Disk wegKopie an anderem Ort, verschlüsselt

Spiel die Szenarien gegen die aktuelle Lösung der Lanz AG durch: Gegen einen Diskausfall im Server hilft die USB-Disk. Gegen einen Wasserschaden im Serverraum nicht, sie steht im selben Raum. Gegen Ransomware auch nicht, denn sie ist dauernd angeschlossen und für jeden erreichbar, der den Server kontrolliert. Und gegen ein überschriebenes Dokument hilft sie nur, solange die Windows Server-Sicherung den gewünschten Stand noch nicht durch neuere Sicherungen verdrängt hat.

Check 2 · ZuordnenFortgeschritten

Ordne jedem Schadenszenario die Eigenschaft der Datensicherung zu, die davor schützt.

Die 3-2-1-1-0-Regel

Die bekannteste Faustregel der Datensicherung heisst 3-2-1. Sie wurde später um zwei Ziffern erweitert, weil Ransomware und ungetestete Backups zu den häufigsten Ursachen für gescheiterte Wiederherstellungen wurden.

ZifferBedeutungWarum
3Mindestens drei Kopien der Daten, das Original mitgezähltFallen zwei gleichzeitig aus, bleibt eine
2auf mindestens zwei verschiedenen Speichermedien oder SystemenEin Fehler eines Gerätetyps trifft nicht alle Kopien
1eine Kopie ausser Haus (offsite)Brand, Wasser, Diebstahl am Standort
1eine Kopie offline oder unveränderbar (immutable)Ein Angreifer mit Admin-Rechten kann sie nicht löschen
0null Fehler bei der ÜberprüfungNur ein geprüftes Backup ist ein Backup

So könnte das Ziel der Lanz AG aussehen:

Wichtig ist, was als «Kopie» zählt. Ein Snapshot auf dem gleichen Server ist keine eigene Kopie, er hängt am selben Speicher. Zwei Partitionen auf derselben Disk sind kein zweites Medium. Und «ausser Haus» heisst wirklich an einem anderen Ort: das Rechenzentrum eines Anbieters, ein zweiter Standort oder eine Disk im Bankschliessfach, nicht der Schrank im Nebenraum.

Check 3 · LückentextEinstieg

Ergänze die 3-2-1-1-0-Regel. Zahlen darfst du als Ziffer oder Wort schreiben.

Es braucht mindestens Kopien der Daten (das Original zählt mit), auf mindestens verschiedenen Medien. Eine Kopie liegt ausser , eine weitere ist offline oder . Bei der Überprüfung dürfen Fehler auftreten.

Schritt für Schritt: Die Sicherung der Lanz AG unter die Lupe nehmen

Timo beginnt nicht mit einer Offerte für neue Software, sondern mit einer ehrlichen Bestandesaufnahme. So geht er vor:

  1. Kopien auflisten. Es gibt das Original auf dem Server (Disks im RAID 5) und die USB-Disk mit der Windows Server-Sicherung. Das sind 2 Kopien. Eine OneDrive-Synchronisation einzelner Ordner zählt nicht, sie ist kein Backup.
  2. Regel 3 prüfen. 2 von 3 Kopien: nicht erfüllt.
  3. Regel 2 prüfen. Server-Disks und USB-Disk sind verschiedene Geräte: erfüllt, wenn auch knapp.
  4. Regel 1 (ausser Haus) prüfen. Die USB-Disk steht neben dem Server: nicht erfüllt.
  5. Regel 1 (offline oder unveränderbar) prüfen. Die Disk ist dauerhaft angeschlossen und als Laufwerk sichtbar: nicht erfüllt.
  6. Regel 0 prüfen. Die Windows Server-Sicherung meldet «erfolgreich». Ob sich Daten zurückholen lassen, hat niemand geprüft. Timo notiert: unbekannt, also für den Moment nicht erfüllt.
  7. Szenarien durchspielen. Diskausfall: gedeckt. Gelöschte Datei von gestern: gedeckt. Wasserschaden, Diebstahl, Ransomware: nicht gedeckt.
  8. Fazit für den Geschäftsführer formulieren. «Wir sind gegen den häufigsten technischen Defekt geschützt, aber nicht gegen die Ereignisse, die eine Firma wirklich gefährden. Ich schlage vor, als Sofortmassnahme eine zweite USB-Disk zu kaufen und wöchentlich abwechselnd eine Disk mit nach Hause oder in den Tresor zu nehmen. Parallel plane ich die definitive Lösung.»

Das Ergebnis in einer Tabelle:

RegelStand Lanz AGBewertung
3 Kopien2fehlt
2 MedienServer-Disks, USB-Diskerfüllt
1 ausser Hauskeinefehlt
1 offline/unveränderbarkeinefehlt
0 Fehlernie getestetoffen

Jetzt automatisierst du diese Prüfung. Im Code-Labor schreibst du eine Funktion, die eine Liste von Kopien entgegennimmt und alle verletzten Regeln zurückgibt. Wenn die Tests für den heutigen und den geplanten Stand der Lanz AG grün sind, kannst du die Regel nicht nur aufsagen, sondern anwenden.

Check 4 · Code-LaborEinstieg

Code-Labor: Der 3-2-1-1-0-Prüfer

Schreibe die Funktion pruefe_regel(kopien). Sie bekommt eine Liste von Kopien der Daten (das Original zählt mit). Jede Kopie ist ein Dictionary:

  • "name": Bezeichnung, z.B. "Server FS01"
  • "medium": Art des Speichers, z.B. "ssd", "usb", "nas", "s3"
  • "extern": True, wenn die Kopie ausser Haus liegt
  • "offline_oder_immutable": True, wenn sie offline oder unveränderbar ist
  • "fehler": Anzahl Fehler bei der letzten Überprüfung (Zahl)

Die Funktion gibt eine Liste der verletzten Regeln zurück, in dieser Reihenfolge und mit genau diesen Texten:

Textverletzt, wenn
"3"weniger als 3 Kopien
"2"weniger als 2 verschiedene Medien
"1-extern"keine Kopie ausser Haus
"1-offline"keine Kopie offline oder unveränderbar
"0"Summe der Fehler grösser als 0

Sind alle Regeln erfüllt, kommt eine leere Liste zurück.

Code-Labor · Python
Strg + Enter

Typische Fehler

  • RAID für ein Backup halten. RAID schützt die Verfügbarkeit bei einem Diskausfall. Gelöschte, überschriebene oder verschlüsselte Dateien sind auf allen Disks gleichzeitig weg. Korrektur: RAID und Backup ergänzen sich, eines ersetzt das andere nicht.
  • Synchronisation als Sicherung betrachten. OneDrive, Dropbox oder ein Spiegel mit robocopy /MIR übernehmen Löschungen und Verschlüsselungen. Korrektur: Nur ein Verfahren mit mehreren Versionen und eigener Aufbewahrung ist ein Backup.
  • Die Backup-Disk dauerhaft angeschlossen lassen. Was der Server sieht, sieht auch ein Angreifer auf dem Server. Korrektur: rotierende Medien, die getrennt gelagert werden, oder ein unveränderbarer Speicher.
  • Die Kopie im selben Raum lagern. Ein Wasserschaden oder Brand trifft dann Original und Kopie. Korrektur: mindestens eine Kopie an einem anderen Ort.
  • Erfolgsmeldung mit funktionierendem Backup verwechseln. «Job erfolgreich» heisst nur, dass Daten geschrieben wurden. Korrektur: regelmässige Restore-Tests, mehr dazu in Lektion 8.

Zusammenfassung

  • Ein Backup ist eine unabhängige, versionierte Kopie auf einem anderen System, aus der du gezielt wiederherstellen kannst.
  • RAID, Snapshots und Synchronisation sind kein Backup, weil sie Löschung, Verschlüsselung oder Standortschäden nicht abfangen.
  • Ein Backup muss gegen Hardwaredefekt, Fehlbedienung, logische Fehler, Ransomware, Elementarereignisse und Diebstahl schützen.
  • Die 3-2-1-1-0-Regel: 3 Kopien, 2 Medien, 1 ausser Haus, 1 offline oder unveränderbar, 0 Fehler bei der Prüfung.
  • Angreifer zielen gezielt auf Backups. Eine erreichbare Sicherung ist im Ernstfall verloren.
  • Beginne jede Beurteilung mit Szenarien und der Regel, nicht mit einem Produkt.

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