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Lektion 1 von 9

Deine Rolle im Projekt und die Instrumente der Umsetzung

Du kennst die Rollen im Projekt und die Grenzen der Projektassistenz, ordnest die Instrumente dem Steuerungskreislauf zu, wählst passende Werkzeuge und verschaffst dir in einem laufenden Projekt einen Überblick.

ca. 40 Min.0/3 Checks gelöst

Worum es geht

Dienstagmorgen, Sitzungszimmer im zweiten Stock der Spar- und Leihkasse Emmental in Langnau. Dario sitzt zum ersten Mal in der Projektsitzung «Neues Intranet». Projektleiterin Sandra Gerber fragt in die Runde: «Wer wollte uns die Struktur für die Abteilungsseiten liefern?» Schweigen. Dann sagt jemand: «Ich dachte, das hätten wir letztes Mal dem SharePoint-Partner gegeben.» Ein anderer: «Nein, das macht doch das Marketing.» Das Protokoll der letzten Sitzung liegt irgendwo in Sandras Postfach, eine Pendenzenliste gibt es nicht. Zwanzig Minuten lang rekonstruiert das Team, was vor zwei Wochen besprochen wurde.

Kennst du solche Situationen? Sie sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. Projekte scheitern selten an einem schlechten Plan. Sie geraten ins Schlingern, weil im Alltag der Umsetzung Dinge vergessen gehen: Aufgaben ohne Zuständigkeit, Termine, die still rutschen, Risiken, die niemand mehr anschaut, Zusatzwünsche, die im Gang zugesagt werden.

Genau hier setzt deine Rolle an. Dario übernimmt die Projektassistenz und soll der Projektleiterin den Rücken freihalten. In diesem Kurs lernst du die Werkzeuge, mit denen du ein laufendes Projekt auf Kurs hältst: Protokolle, Pendenzenlisten, Terminpläne, Statusberichte, Risikolisten, Change Requests und eine saubere Ablage. In dieser ersten Lektion klärst du drei Dinge: Wer entscheidet was im Projekt? Welche Instrumente braucht die Umsetzung? Und wie findest du dich in einem Projekt zurecht, das schon läuft?

Wer im Projekt was entscheidet

Stell dir ein Projekt wie eine Bergtour mit einer Gruppe vor. Die Person, die die Tour bestellt und bezahlt, bestimmt das Ziel und das Budget. Die Bergführerin entscheidet unterwegs über die Route. Und jemand in der Gruppe führt die Karte, schaut auf die Uhr und sagt rechtzeitig: «Wir sind eine Stunde hinter dem Plan, die Hütte schliesst um 18 Uhr.» Diese Person ändert die Route nicht selbst, aber ohne sie läuft die Gruppe blind.

In einem Projekt heissen diese Rollen so:

RolleAufgabeIm Intranet-Projekt
Auftraggeber/inbestellt das Projekt, stellt Budget und Personal, nimmt das Ergebnis abThomas Aebi, Mitglied der Geschäftsleitung
Lenkungsausschuss (LA)steuert das Projekt, entscheidet über Freigaben, grosse Abweichungen und ÄnderungenThomas Aebi (Vorsitz), Leiterin HR, Leiter Informatik
Projektleitungplant, führt das Team, berichtet dem LA, entscheidet im eigenen SpielraumSandra Gerber
Projektassistenz, Projektmitarbeitendeführen die Instrumente, bereiten vor, fassen nach, melden AbweichungenDario
Projektteam, Key Userliefern Arbeitsergebnisse und FachwissenRedaktorinnen und Redaktoren der Abteilungen
Externe Partnerliefern Leistungen nach VertragSharePoint-Partnerfirma

Die gestrichelten Linien zeigen, wie Dario arbeitet: Er fragt im Team nach, ob Aufgaben erledigt sind, und liefert der Projektleiterin die Grundlagen für ihre Entscheide. Er ist aber nicht der Chef des Teams und nicht das Sprachrohr des LA.

Typische Aufgaben der Projektassistenz sind:

  • Sitzungen organisieren, Unterlagen bereitstellen und protokollieren
  • die Pendenzenliste führen und vor jeder Sitzung nachfassen
  • den Projektplan nachführen und Verschiebungen sichtbar machen
  • den Statusbericht vorbereiten
  • Risiko- und Änderungsliste pflegen
  • Ablage und Kommunikation organisieren

Nicht zu deinen Aufgaben gehört, Budget freizugeben, den Projektumfang zu ändern oder Termine eigenmächtig zu verschieben. Das klingt nach einer Einschränkung, ist aber ein Schutz: Wer nichts entscheiden muss, kann neutral und ehrlich berichten.

Check 1 · Eine AntwortEinstieg

Dario ist Projektassistent im Intranet-Projekt der Leihkasse. Welche der folgenden Aufgaben gehört nicht zu seiner Rolle?

Der Steuerungskreislauf: wozu die Instrumente da sind

Denk an die Navigations-App im Auto. Sie kennt das Ziel und die geplante Route. Unterwegs bestimmt sie laufend die aktuelle Position, vergleicht sie mit dem Plan und meldet: «Stau, Ankunft 25 Minuten später. Alternative Route?» Entscheiden, ob du die Alternative nimmst, musst du selbst.

Ein Projekt funktioniert genauso. Man nennt das den Steuerungskreislauf:

Jedes Instrument, das du in diesem Kurs kennenlernst, hat einen festen Platz in diesem Kreislauf:

InstrumentFrage, die es beantwortetRhythmusLektion
BeschlussprotokollWas wurde entschieden, wer macht was bis wann?nach jeder Sitzung, innert 24 Stunden2
PendenzenlisteWas ist offen, wer ist dran, was ist überfällig?laufend, vor jeder Sitzung nachfassen3
Projektplan mit BaselineSind wir im Zeitplan, welche Meilensteine rutschen?wöchentlich4
Statusbericht mit AmpelWo steht das Projekt, wo muss jemand entscheiden?alle zwei bis vier Wochen5 und 6
RisikolisteWas könnte schiefgehen, was tun wir dagegen?alle zwei Wochen prüfen7
Änderungsliste mit Change RequestsWas wurde am Umfang geändert, wer hat es entschieden?bei jedem Änderungswunsch8
Kommunikationsplan und AblageWer erhält welche Information, wo liegt die aktuelle Version?laufend9

Die Instrumente hängen zusammen. Ein Entscheid im Protokoll erzeugt oft eine Pendenz. Ein Risiko, das eintritt, wird zum Problem und landet als Massnahme in der Pendenzenliste und im Statusbericht. Ein genehmigter Change Request verändert den Plan. Wer nur ein Instrument führt, sieht deshalb nur einen Ausschnitt.

Check 2 · ZuordnenEinstieg

Ordne jedem Instrument die Frage zu, die es im Projekt beantwortet.

Werkzeuge: Planner, Jira, MS Project und Co.

Für jedes Instrument gibt es Software. Welche du nutzt, bestimmt meistens der Betrieb. Wichtig ist, dass du die Stärken kennst:

WerkzeugStärkeTypischer Einsatz
Microsoft Plannereinfache Aufgabenboards in Teams, Zuweisung, Fälligkeit, ErinnerungenPendenzen, kleine Aufgabenpläne
MS ProjectGantt mit Abhängigkeiten, Basisplan, RessourcenTerminplan mittlerer und grosser Projekte
Jira, Azure BoardsTickets, Boards, Sprints, Workflows, AuswertungenEntwicklungsarbeit, agile Teams
Excelflexibel, Filter, Formeln, bedingte FormatierungPendenzen, Risiken, Meilensteintrend, Kennzahlen
SharePoint und TeamsAblage mit Versionierung, Berechtigungen, Kanäle, ListenProjektablage, Kommunikation im Team
ConfluenceWiki-Seiten mit Verlauf, gut mit Jira verknüpftProtokolle, Entscheide, Konzepte

Zwei Faustregeln helfen dir bei der Wahl:

  1. Ein Instrument, ein Ort. Die Pendenzenliste existiert genau einmal. Wenn sie teils in Planner, teils in Excel und teils in Mails steht, ist keine der drei Quellen vollständig.
  2. Die Felder sind wichtiger als das Werkzeug. Eine Pendenz braucht Beschreibung, verantwortliche Person, Termin und Status. Ob das in Planner oder Excel steht, ist zweitrangig.
Check 3 · Eine AntwortFortgeschritten

In der Leihkasse arbeiten alle 110 Mitarbeitenden mit Microsoft Teams. Jira-Lizenzen hat nur die Informatik. Dario braucht eine Pendenzenliste, an der auch die Redaktorinnen und Redaktoren der Abteilungen ihre Punkte nachführen. Welche Lösung passt am besten?

Schritt für Schritt: Dario verschafft sich einen Überblick

Das Projekt läuft seit zwei Monaten, als Dario dazustösst. Statt sofort neue Listen anzulegen, macht er zuerst eine Bestandsaufnahme.

Schritt 1: Vorhandenes sichten. Dario bittet Sandra, ihm alle Projektunterlagen zu zeigen. Er findet: den Projektauftrag als PDF, einen Terminplan in Excel (zuletzt vor vier Wochen aktualisiert), sechs Protokolle als Word-Dateien in Mails, keine Pendenzenliste, keine Risikoliste. Den Status erfährt der LA bisher mündlich.

Schritt 2: Instrumentenliste erstellen. Er trägt jedes Instrument mit Zweck und Zustand in eine Tabelle ein:

InstrumentZustand heuteKünftig geführt vonRhythmusWerkzeug
BeschlussprotokollWord per Mail, unregelmässigDarionach jeder SitzungWord-Vorlage in SharePoint
PendenzenlistefehltDariolaufendTeams-Liste
TerminplanExcel, veraltetDario pflegt, Sandra plantwöchentlichExcel in SharePoint
Statusberichtnur mündlichDario entwirft, Sandra gibt freialle zwei WochenWord-Vorlage
RisikolistefehltDarioalle zwei WochenTeams-Liste
ÄnderungslistefehltDariobei BedarfTeams-Liste
AblageMails und persönliche LaufwerkeDariolaufendSharePoint

Schritt 3: Lücken priorisieren. Nicht alles auf einmal. Dario beginnt mit dem, was am meisten Ärger verursacht: Protokoll und Pendenzen. Danach folgen Terminplan und Statusbericht, dann Risiken und Änderungen.

Schritt 4: Zuständigkeiten mit der Projektleiterin klären. Dario stellt Sandra vier Fragen:

  • «Darf ich die Verantwortlichen direkt anschreiben, wenn eine Pendenz fällig wird?»
  • «Ab welcher Verspätung soll ich dir eine Abweichung melden?»
  • «Wer gibt den Statusbericht frei, bevor er an den LA geht?»
  • «Wie gehe ich vor, wenn mich jemand direkt mit einem Zusatzwunsch anspricht?»

Schritt 5: Wochenrhythmus festlegen. Am Ende steht eine einfache Vereinbarung:

Text
Projektassistenz Intranet, Wochenrhythmus (vereinbart mit S. Gerber)
Montag      Pendenzen mit Termin diese Woche prüfen, Erinnerungen senden
Dienstag    Projektsitzung protokollieren
Mittwoch    Protokoll verteilt (spätestens 24 h nach Sitzung), Liste aktualisiert
Donnerstag  Terminplan nachführen, Risikoliste prüfen (jede zweite Woche)
Freitag     Kurz-Update im Teams-Kanal, Statusbericht-Entwurf (jede zweite Woche)
Meldungen   Verspätung über 1 Woche oder neue Risiken sofort an S. Gerber

Typische Fehler

  • Entscheiden statt vorbereiten. Dario sagt der HR-Leiterin im Gang: «Das Ferienformular bauen wir noch ein.» Damit hat er über Umfang, Kosten und Termin entschieden, ohne dass er das darf. Richtig: aufnehmen, Auswirkungen klären lassen, an die Projektleitung weitergeben.
  • Werkzeug-Zoo. Pendenzen in Planner, Risiken in Excel, Entscheide in Mails, Konzepte auf dem persönlichen Laufwerk. Niemand findet etwas. Richtig: pro Instrument genau ein Ort, alle wissen welcher.
  • Instrumente anlegen und dann liegen lassen. Eine Risikoliste, die seit sechs Wochen niemand angeschaut hat, ist schlimmer als keine, weil sie falsche Sicherheit gibt. Jedes Instrument braucht einen festen Rhythmus.
  • Zu viel Bürokratie. Ein Projekt mit drei Personen und vier Wochen Dauer braucht keinen zehnseitigen Statusbericht. Passe den Umfang der Instrumente an Grösse und Risiko des Projekts an.
  • Nur abschreiben statt nachfassen. Der eigentliche Wert der Projektassistenz liegt nicht im Tippen des Protokolls, sondern im Nachfragen: Ist das erledigt? Bis wann? Was blockiert dich?

Zusammenfassung

  • Als Projektassistenz führst du die Instrumente, bereitest Entscheide vor, fasst nach und meldest Abweichungen. Entscheiden tun Projektleitung und Lenkungsausschuss.
  • Der Steuerungskreislauf lautet: Plan, umsetzen, Ist erfassen, vergleichen, berichten, entscheiden.
  • Die wichtigsten Instrumente sind Beschlussprotokoll, Pendenzenliste, Terminplan mit Baseline, Statusbericht, Risikoliste, Änderungsliste, Kommunikationsplan und Ablage.
  • Die Instrumente hängen zusammen: Entscheide erzeugen Pendenzen, eingetretene Risiken werden zu Problemen, Change Requests verändern den Plan.
  • Ein Instrument, ein Ort, und die Felder sind wichtiger als das Werkzeug.
  • In einem laufenden Projekt beginnst du mit einer Bestandsaufnahme und klärst deine Zuständigkeiten mit der Projektleitung.