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Systeme & Betrieb · Container-Dienste

Dienste mit Containern bereitstellen

Du lernst, Serverdienste wie Wiki, Cloud-Speicher oder Monitoring als Container auf einem Linux-Host sicher und wartbar zu betreiben.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 24 Std. SelbststudiumPlattformentwicklung: 2. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Docker#Docker Compose#Reverse Proxy#TLS#Volumes#Backup#Linux#Kubernetes#Betrieb

Überblick

Worum geht es?

Statt jede Anwendung von Hand auf einem Server zu installieren, betreibst du sie als Container mit klar definierter Konfiguration. Du richtest einen Docker-Host ein, startest fertige Dienste mit Docker Compose, machst sie über einen Reverse Proxy mit HTTPS erreichbar und sorgst dafür, dass Daten gesichert und wiederherstellbar sind. Du lernst, Updates kontrolliert einzuspielen, Ressourcen zu begrenzen und Probleme anhand von Logs zu finden. Zum Schluss schaust du, wie Kubernetes dieselben Ideen im grösseren Massstab umsetzt.

Wofür brauchst du das?

In Schweizer KMU und bei IT-Dienstleistern laufen immer mehr interne Dienste als Container: Wiki, Passwortmanager, Ticketsystem, Monitoring. Als Plattformentwickler:in bist du dafür verantwortlich, dass diese Dienste sicher erreichbar, gesichert und aktuell sind. Das Modul baut auf 123 (Serverdienste) auf und bereitet dich auf 188 (Services betreiben), 109 (Public Cloud) und 190 (Virtualisierung) vor.

Das solltest du schon können

  • Einen Linux-Server per SSH verwalten, Pakete installieren und Dienste mit systemd steuern (Modul 123)
  • Ports, DNS-Einträge und Firewall-Regeln verstehen (Modul 117)
  • YAML-Dateien lesen und einfache Bash-Befehle ausführen

Typische Tools & Technologien

Docker EngineDocker ComposeUbuntu Server / DebianTraefik / Caddy / Nginx Proxy ManagerPortainerLet's Encryptrestick3s / minikube

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Einen Linux-Server als sicheren Container-Host einrichten

    Kompetenz A

    Du installierst Docker Engine aus dem offiziellen Repository, legst eine sinnvolle Ordnerstruktur für Stacks an und beschränkst den Zugriff. Wer in der Gruppe 'docker' ist, hat faktisch Root-Rechte, das berücksichtigst du bei der Benutzerverwaltung.

    Situation

    Ein Architekturbüro in St. Gallen stellt eine VM mit Ubuntu Server 24.04, 4 vCPU und 8 GB RAM für interne Dienste bereit.

    Deine Aufgabe

    Mach die VM bereit für den Containerbetrieb.

    Gutes Ergebnis

    Docker Engine und Compose-Plugin installiert, SSH nur mit Schlüssel, UFW lässt nur 22, 80 und 443 zu. Alle Stacks liegen unter /opt/stacks/<dienst> mit je einer compose.yaml und .env. Nur der Admin-Account ist in der Gruppe 'docker'.

    Docker EngineDocker-GruppeHost-FirewallVerzeichnisstrukturSSH-Härtung
  2. 2

    Einen fertigen Dienst mit Docker Compose bereitstellen und konfigurieren

    Kompetenz B

    Du liest die Dokumentation eines offiziellen Images, übernimmst nur die nötigen Einstellungen und schreibst daraus eine eigene compose.yaml. Dazu gehören eine feste Image-Version, Umgebungsvariablen, Volumes und ein Neustartverhalten.

    Situation

    Das Büro will ein internes Wiki statt verstreuter Word-Dokumente.

    Deine Aufgabe

    Stelle Wiki.js mit PostgreSQL als Container-Stack bereit.

    Gutes Ergebnis

    Zwei Dienste mit fixen Versionen (z.B. 'requarks/wiki:2.5' und 'postgres:16'), 'restart: unless-stopped', Datenbank nur im internen Netzwerk, Daten in benannten Volumes. Das Wiki ist nach 'docker compose up -d' in unter einer Minute bereit.

    Image-Version pinnenrestart policyUmgebungsvariablebenanntes Volumeinternes Netzwerk
  3. 3

    Dienste über einen Reverse Proxy mit HTTPS erreichbar machen

    Kompetenz C

    Statt für jeden Dienst einen eigenen Port zu öffnen, leitet ein Reverse Proxy Anfragen anhand des Hostnamens an den richtigen Container weiter und kümmert sich automatisch um TLS-Zertifikate.

    Situation

    Wiki, Uptime Kuma und Vaultwarden sollen unter eigenen Subdomains wie wiki.buero-muster.ch erreichbar sein.

    Deine Aufgabe

    Richte Traefik oder Caddy als zentralen Einstiegspunkt ein.

    Gutes Ergebnis

    Nur der Proxy veröffentlicht die Ports 80 und 443. Die Dienste hängen in einem gemeinsamen 'proxy'-Netzwerk, Zertifikate kommen automatisch von Let's Encrypt, HTTP wird auf HTTPS umgeleitet. SSL Labs bewertet die Konfiguration mit A.

    Reverse Proxyvirtueller HostTLS / Let's EncryptDNS A-RecordHTTP-Redirect
  4. 4

    Containerdaten sichern und eine Wiederherstellung testen

    Kompetenz D

    Container sind ersetzbar, Volumes nicht. Du sicherst Datenbanken mit einem Dump statt die laufenden Dateien zu kopieren, sicherst die Konfiguration mit und beweist mit einem Restore-Test, dass die Sicherung brauchbar ist.

    Situation

    Die Geschäftsleitung fragt: 'Was passiert, wenn der Server morgen kaputt ist?'

    Deine Aufgabe

    Erstelle ein Backup-Konzept für den Wiki-Stack und teste die Wiederherstellung.

    Gutes Ergebnis

    Ein nächtlicher Cronjob macht 'pg_dump' über 'docker compose exec', sichert Dump, compose.yaml und .env verschlüsselt mit restic auf einen externen S3-Speicher in der Schweiz (14 Tages-, 8 Wochenstände). Ein Restore auf einer leeren Test-VM dauert 12 Minuten und ist dokumentiert.

    Datenbank-DumpVolume-Backup3-2-1-RegelRestore-TestRPO / RTO
  5. 5

    Updates kontrolliert einspielen und Dienste überwachen

    Kompetenz E

    Du aktualisierst Images bewusst statt automatisch, liest vorher die Release Notes und kannst bei Problemen auf die alte Version zurück. Mit Ressourcenlimits, Healthchecks und zentralen Logs merkst du früh, wenn ein Dienst Probleme hat.

    Situation

    Für Vaultwarden ist eine Sicherheitslücke bekannt geworden, und ein Container braucht plötzlich 3 GB RAM.

    Deine Aufgabe

    Spiele das Update ein und begrenze den Speicherverbrauch.

    Gutes Ergebnis

    Backup erstellt, Tag in der compose.yaml von 1.31 auf 1.32 erhöht, 'docker compose pull' und 'up -d', Funktion getestet. Speicherlimit auf 512 MB gesetzt, Uptime Kuma prüft jede Minute die Erreichbarkeit und meldet Ausfälle in einen Teams-Kanal.

    Release NotesRollbackHealthcheckRessourcenlimitdocker logs / stats
  6. 6

    Die Grundideen von Kubernetes an einem kleinen Beispiel nachvollziehen

    Kompetenz F

    Du verstehst, wann Docker Compose an Grenzen stösst und was ein Orchestrator zusätzlich bietet: mehrere Hosts, Selbstheilung, rollende Updates. Du deployst einen einfachen Dienst in einem lokalen Cluster und erkennst die Begriffe Pod, Deployment und Service.

    Situation

    Ein Kunde fragt, ob er für seine drei internen Dienste Kubernetes braucht.

    Deine Aufgabe

    Teste ein Deployment in k3s und schreibe eine Empfehlung.

    Gutes Ergebnis

    nginx als Deployment mit 2 Replikas und einem Service in k3s. Beim Löschen eines Pods startet Kubernetes automatisch einen neuen. Empfehlung an den Kunden: Für drei Dienste auf einem Host ist Compose einfacher und günstiger, Kubernetes lohnt sich erst bei mehreren Hosts und Teams.

    OrchestrierungPodDeploymentServiceReplikakubectl

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Container-Host einrichten

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Dienste mit Docker Compose

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Reverse Proxy und HTTPS

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Daten sichern und wiederherstellen

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Updates und Betrieb

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Kubernetes verstehen

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Das Wiki der Bergsicht Informatik zieht in Container

Luca ist im 2. Lehrjahr als Informatiker Plattformentwicklung bei der Bergsicht Informatik GmbH in Chur, 25 Mitarbeitende. Das interne Wiki läuft auf einer alten VM mit einer PHP-Installation von Hand, die seit zwei Jahren niemand mehr aktualisiert hat. Seine Berufsbildnerin gibt ihm den Auftrag, das Wiki und eine Statusseite auf einem neuen Server mit Containern bereitzustellen.

  1. Kapitel 1

    Ein Host, dem man trauen kann

    Luca installiert Ubuntu Server 24.04 auf einer VM mit 4 vCPU und 8 GB RAM und richtet Docker Engine aus dem offiziellen Repository ein. Er schaltet die Passwort-Anmeldung per SSH ab und erlaubt in ufw nur die Ports 22, 80 und 443. Beim Test mit nmap von seinem Laptop aus ist aber auch der Port 8080 eines Testcontainers offen, obwohl ufw ihn sperren sollte. Luca lernt, dass Docker eigene Firewall-Regeln setzt, und veröffentlicht ab jetzt nur noch die Ports des Reverse Proxy.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Das Wiki in einer Compose-Datei

    Für BookStack schreibt Luca eine compose.yaml mit zwei Diensten: dem Wiki und einer MariaDB, beide mit fixierter Versionsnummer statt latest. Passwörter liegen in einer .env-Datei mit Rechten 600, die Datenbank hängt nur im internen Netzwerk. Beim ersten Start bricht das Wiki ab, weil die Datenbank noch nicht bereit ist. Luca ergänzt einen Healthcheck für MariaDB und lässt das Wiki erst starten, wenn dieser grün ist.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Ein Schloss für wiki.bergsicht.ch

    Als Reverse Proxy setzt Luca Traefik ein und legt für wiki und status je einen DNS-Eintrag an. Das Zertifikat von Let's Encrypt kommt aber nicht, und im Traefik-Log steht ein Timeout bei der HTTP-Prüfung. Ein Kollege sieht, dass Port 80 an der Firmen-Firewall gesperrt ist, und öffnet ihn mit einer Umleitung auf HTTPS. Danach hängt Luca die Statusseite mit Uptime Kuma als zweiten Dienst nur über ein paar Labels an den Proxy.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Der Restore am Freitagnachmittag

    Jede Nacht um 2 Uhr erstellt ein Skript einen Dump der Datenbank, und restic sichert ihn zusammen mit dem Upload-Volume aufs NAS und in einen S3-Speicher bei einem Schweizer Anbieter. Mit der Berufsbildnerin hat Luca ein RPO von 24 Stunden und ein RTO von 2 Stunden vereinbart. Beim Restore-Test auf einer leeren VM ist das Wiki nach 25 Minuten wieder da, aber alle Bilder fehlen. Luca hatte den falschen Pfad gesichert, korrigiert das Skript und wiederholt den Test, bis alles vollständig ist.

    Ziel 4

  5. Kapitel 5

    Updates ohne Herzklopfen und ein Blick auf Kubernetes

    Als eine neue BookStack-Version erscheint, liest Luca die Release Notes, erstellt einen frischen Dump, ändert den Tag und zieht das neue Image. Die alte Versionsnummer notiert er als Rückweg. Weil MariaDB nach einer Woche 3 GB RAM belegt, setzt er ein Limit von 1 GB und lässt Uptime Kuma Ausfälle in den Teams-Kanal melden. Zum Schluss startet er die Statusseite testweise in k3s mit zwei Replikas, löscht einen Pod und sieht, wie er neu entsteht. In seinem Lernjournal hält er fest, warum für zwei Dienste Compose vorerst reicht.

    Ziel 5Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Container-Host aufsetzen

    ca. 3 Std.

    Du baust eine Lern-VM auf, die du im ganzen Modul nutzt. Eine lokale VM in Hyper-V oder VirtualBox reicht, alternativ eine kleine Cloud-VM mit Studentenguthaben.

    • Ubuntu Server installieren, SSH-Schlüssel einrichten, Passwort-Login abschalten
    • Docker Engine aus dem offiziellen Repository installieren und 'hello-world' starten
    • Firewall konfigurieren und die Ordnerstruktur /opt/stacks anlegen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Erste Dienste mit Compose

    ca. 4 Std.

    Du stellst zwei typische KMU-Dienste bereit und lernst, Image-Dokumentationen gezielt zu lesen.

    • Uptime Kuma als Einzeldienst mit Volume bereitstellen
    • Wiki.js mit PostgreSQL als Stack mit internem Netzwerk aufsetzen
    • Mit 'docker compose ps', 'logs' und 'exec' den Zustand prüfen

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Reverse Proxy und HTTPS

    ca. 4 Std.

    Du machst alle Dienste über Subdomains mit gültigen Zertifikaten erreichbar.

    • Eine kostenlose Domain oder eine Subdomain des Lehrbetriebs für Tests verwenden
    • Traefik oder Caddy als Proxy-Stack aufsetzen und Dienste per Label oder Konfiguration anbinden
    • Prüfen, dass ausser 80 und 443 keine Ports nach aussen offen sind (z.B. mit nmap)

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Sichern und wiederherstellen

    ca. 5 Std.

    Du schreibst ein Backup-Skript, automatisierst es und spielst einen Totalausfall durch.

    • Ein Bash-Skript für Datenbank-Dump und Konfigurationssicherung schreiben
    • Mit restic verschlüsselt auf einen zweiten Speicher sichern und per Cron planen
    • Eine neue VM aufsetzen und den Wiki-Stack nur aus der Sicherung wiederherstellen

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  5. 5

    Betrieb im Alltag

    ca. 4 Std.

    Du übst Updates, Ressourcenbegrenzung und Überwachung, wie sie im Betrieb jede Woche vorkommen.

    • Ein Image von einer älteren auf eine neuere Version aktualisieren und wieder zurückrollen
    • Speicher- und CPU-Limits setzen und mit 'docker stats' beobachten
    • Uptime Kuma Benachrichtigungen per Mail oder Teams senden lassen

    Trainiert Kompetenz E1E2A3

    Lernziel5

  6. 6

    Ausblick Kubernetes

    ca. 4 Std.

    Du installierst k3s oder minikube und überträgst einen Compose-Dienst in Kubernetes-Objekte.

    • k3s auf der Lern-VM oder minikube lokal installieren
    • Ein Deployment und einen Service per YAML anlegen und mit kubectl prüfen
    • In einer Tabelle Compose-Begriffe den Kubernetes-Begriffen gegenüberstellen

    Trainiert Kompetenz F1F2B3

    Lernziel62

Üben

Übungen aus der Praxis

Statusseite für den Lehrbetrieb

Einstieg Einstieg

Der Lehrbetrieb möchte sehen, ob die eigene Website, der Mailserver und das Kundenportal erreichbar sind.

Weist nach B1B2

  1. Uptime Kuma mit Docker Compose bereitstellen
  2. Daten in einem benannten Volume speichern
  3. Drei Monitore anlegen und einen Container-Neustart testen
Tipp anzeigen

Prüfe nach 'docker compose down' und 'up -d', ob deine Monitore noch da sind. Wenn nicht, fehlt das Volume.

Lösungsskizze anzeigen

Ein Dienst mit fixem Image-Tag, Volume auf /app/data, Port 3001 vorerst direkt veröffentlicht, 'restart: unless-stopped'. Nach dem Neustart bleiben alle Monitore erhalten.

Drei Dienste hinter einem Reverse Proxy

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Gemeindeverwaltung will Wiki, Statusseite und ein Formular-Tool intern unter eigenen Namen mit HTTPS erreichbar machen, ohne zusätzliche Ports zu öffnen.

Weist nach C2A2B2

  1. Einen Reverse Proxy als eigenen Stack aufsetzen
  2. Die drei Dienste über ein gemeinsames Proxy-Netzwerk anbinden
  3. Datenbanken in getrennte interne Netzwerke legen
  4. Mit einem Portscan nachweisen, dass nur 80 und 443 offen sind
Tipp anzeigen

Ein Container kann in mehreren Netzwerken sein. Die App braucht 'proxy' und 'intern', die Datenbank nur 'intern'.

Lösungsskizze anzeigen

Proxy veröffentlicht 80/443, Dienste haben keine 'ports' mehr, sondern Labels oder Proxy-Regeln pro Hostname. Pro Stack ein internes Netzwerk für die Datenbank. Zertifikate über Let's Encrypt oder eine interne CA, HTTP-Redirect aktiv.

Totalausfall simulieren

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Die VM eines Treuhandbüros mit Vaultwarden und Wiki ist nach einem Hardwaredefekt verloren. Es gibt nur die nächtlichen Backups. Vorgabe: Wiederherstellung in unter 2 Stunden, maximal 24 Stunden Datenverlust.

Weist nach D3E3A3

  1. Backup-Konzept mit RPO, RTO, Speicherort und Aufbewahrung aufschreiben
  2. Backup-Skript mit Datenbank-Dumps und verschlüsselter Ablage umsetzen
  3. Eine neue VM aufsetzen und beide Dienste aus der Sicherung wiederherstellen
  4. Zeit messen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Notfall schreiben
Tipp anzeigen

Ohne .env-Dateien und Verschlüsselungsschlüssel nützt das beste Backup nichts. Wo liegen die, wenn der Server weg ist?

Lösungsskizze anzeigen

Tägliche Dumps und Konfigurationssicherung mit restic auf einen Schweizer S3-Speicher, Schlüssel zusätzlich im Passwortsafe der Geschäftsleitung. Restore: Docker installieren, Repository klonen, restic restore, Dump einspielen, Stacks starten, DNS prüfen. Die gemessene Zeit wird mit dem RTO verglichen, Lücken werden als Massnahmen notiert.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Warum ist Mitgliedschaft in der Gruppe 'docker' heikel?

Wer Docker steuern kann, kann Container mit Root-Zugriff auf das Host-Dateisystem starten und hat damit faktisch Root-Rechte.

Warum pinnst du Image-Versionen statt 'latest' zu verwenden?

Damit Updates bewusst passieren, reproduzierbar sind und du gezielt auf eine frühere Version zurückrollen kannst.

Wie sicherst du eine PostgreSQL-Datenbank im Container korrekt?

Mit einem Dump (pg_dump) über 'docker compose exec', nicht durch Kopieren der Datenbankdateien im laufenden Betrieb.

Welche Aufgabe hat ein Reverse Proxy?

Er nimmt alle Anfragen auf 80/443 entgegen, leitet sie anhand des Hostnamens an den passenden Container weiter und übernimmt TLS.

Was bewirkt 'restart: unless-stopped'?

Der Container startet nach einem Absturz oder Server-Neustart automatisch neu, ausser er wurde von Hand gestoppt.

Was ist in Kubernetes ein Pod?

Die kleinste deploybare Einheit: ein oder mehrere Container, die sich Netzwerk und Speicher teilen.

Wann gilt ein Backup als funktionierend?

Erst wenn eine Wiederherstellung erfolgreich getestet und dokumentiert wurde.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Datenbank-Ports wie 5432 oder 3306 per 'ports' ins Internet veröffentlichen.
  • Docker umgeht UFW-Regeln bei veröffentlichten Ports. Wer das nicht weiss, hat ungewollt offene Dienste.
  • Automatische Updates mit Watchtower ohne Backup und ohne Blick in die Release Notes.
  • Nur das Volume sichern, aber .env-Dateien und compose.yaml vergessen.
  • Für drei kleine Dienste direkt Kubernetes einführen und den Betrieb unnötig verkomplizieren.
  • Container ohne Speicherlimit laufen lassen, bis einer den ganzen Host lahmlegt.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Halte für jeden Stack in einer README fest: Zweck, URL, Volumes, Backup und Update-Vorgehen.
  • Zeige beim Nachweis, dass du Fehler findest: 'docker compose logs -f' und 'docker inspect' sind deine wichtigsten Werkzeuge.
  • Plane bei Updates immer zuerst das Backup ein und notiere den Rollback-Schritt.
  • Erkläre bei Sicherheitsfragen konkret, welche Ports offen sind und warum.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Container-Host
Server oder VM, auf dem die Container-Runtime läuft und Container ausgeführt werden.
Stack
Gruppe zusammengehöriger Container, die gemeinsam über eine compose.yaml verwaltet werden.
Reverse Proxy
Vorgeschalteter Server, der Anfragen an interne Dienste weiterleitet und oft TLS übernimmt.
Let's Encrypt
Kostenlose Zertifizierungsstelle, die TLS-Zertifikate automatisiert ausstellt.
Volume
Dauerhafter Speicher für Containerdaten, unabhängig vom Lebenszyklus des Containers.
Healthcheck
Regelmässige Prüfung, ob der Dienst im Container wirklich funktioniert, nicht nur ob der Prozess läuft.
Orchestrator
System wie Kubernetes, das Container über mehrere Hosts verteilt, überwacht und automatisch ersetzt.
restic
Open-Source-Backup-Werkzeug mit Verschlüsselung und Deduplizierung, das viele Speicherziele unterstützt.

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So helfen wir dir bei Modul 169

  • Wir bauen mit dir eine Lern-VM als Container-Host auf und gehen gemeinsam die Sicherheitseinstellungen durch.
  • Wenn dein Reverse Proxy keine Zertifikate holt oder ein Dienst 502 meldet, suchen wir mit dir die Ursache in DNS, Netzwerk und Logs.
  • Wir prüfen dein Backup-Skript und spielen mit dir einen Restore auf einer frischen VM durch.
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