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Medien & Gestaltung · Film

Digitale Filme produzieren

Du lernst, einen kurzen Film für ein Unternehmen von der Idee über den Dreh bis zum fertigen Export für Web und Social Media zu produzieren.

Anspruchsvoll Anspruchsvoll ca. 35 Std. SelbststudiumMediamatik: 3. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Video#Filmproduktion#Kamera#Einstellungsgrössen#Videoschnitt#Color Grading#Untertitel#Premiere Pro#DaVinci Resolve#Social Video

Überblick

Worum geht es?

Du entwickelst aus einem Auftrag ein Konzept mit Treatment, Drehbuch und Shotlist. Am Drehtag stellst du Kamera, Licht und Ton professionell ein, wählst Einstellungsgrössen und Perspektiven bewusst und achtest auf Anschlüsse, damit sich das Material schneiden lässt. In Premiere Pro oder DaVinci Resolve schneidest du eine verständliche Geschichte, korrigierst Farben, mischst den Ton und fügst Titel und Untertitel hinzu. Zum Schluss exportierst du Versionen für YouTube, Website und Social Media und übergibst das Projekt sauber archiviert.

Wofür brauchst du das?

Video ist in der Unternehmenskommunikation der wichtigste Content-Typ: Imagefilme, Lehrstellenvideos, Produktclips, Event-Aftermovies und Reels. Viele Agenturen und Marketingabteilungen produzieren heute ohne externe Filmcrew, mit einer Person, die Kamera, Ton und Schnitt beherrscht. Dieses Modul verbindet Fotografie (265), Animation (266) und Audio (267) zu einem Gesamtprodukt und ist zentral für Marketingaktionen (276) und Social Media (281).

Das solltest du schon können

  • Eine Produktion mit Shotlist, Zeitplan, Rechten und Datenmanagement vorbereiten (Modul 264)
  • Belichtungsdreieck, Brennweite, Weissabgleich und Bildgestaltung sicher anwenden (Modul 265)
  • Ton sauber aufnehmen, bearbeiten und auf eine Ziellautheit bringen (Modul 267)

Typische Tools & Technologien

Adobe Premiere ProDaVinci ResolveAdobe After EffectsAdobe AuditionSpiegellose Systemkamera / CamcorderGimbal, Stativ, ND-FilterLED-Leuchten (Dreipunktlicht)Funkstrecke / Lavalier

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Aus einem Auftrag ein Filmkonzept mit Drehbuch entwickeln

    Kompetenz A

    Du formulierst Kernbotschaft, Zielgruppe und Tonalität und entwickelst daraus eine Geschichte mit Anfang, Mitte und Schluss. Ein zweispaltiges Drehbuch hält Bild und Ton nebeneinander fest.

    Situation

    Ein Alters- und Pflegeheim in Thun sucht Pflegefachpersonen und wünscht ein 60-sekündiges Video für Instagram und die Karriereseite.

    Deine Aufgabe

    Entwickle ein Konzept und ein Drehbuch.

    Gutes Ergebnis

    Kernbotschaft: 'Bei uns hast du Zeit für Menschen.' Story: ein Tag einer Pflegefachfrau in fünf Momenten, erzählt von ihr selbst im Off. Zweispaltiges Drehbuch mit Bildbeschreibung links und Sprechertext, Musik und Atmo rechts, 14 Szenen mit Zeitangaben.

    KernbotschaftTreatmentzweispaltiges DrehbuchDramaturgie / HookTonalität
  2. 2

    Kamera für Video technisch korrekt einstellen

    Kompetenz B

    Du wählst Auflösung, Bildrate, Verschlusszeit, Blende, ISO, Weissabgleich und Bildprofil passend zur Situation. Du nutzt die 180-Grad-Regel und ND-Filter, damit Bewegungen natürlich aussehen.

    Situation

    Bei einem Aussendreh in praller Sonne soll eine Gärtnerin mit unscharfem Hintergrund gefilmt werden. Das Bild ist bei Blende f/2.8 komplett überbelichtet.

    Deine Aufgabe

    Finde eine korrekte Einstellung, ohne die Verschlusszeit zu verändern.

    Gutes Ergebnis

    UHD 25 fps, Verschlusszeit 1/50 s nach der 180-Grad-Regel, Blende f/2.8 für geringe Schärfentiefe. Ein variabler ND-Filter reduziert das Licht um ca. 5 Blendenstufen. Weissabgleich manuell auf 5600 K, Zebra bei 95 % zeigt keine ausgefressenen Stellen im Gesicht.

    180-Grad-RegelBildrateND-FilterZebra / WaveformBildprofil (Standard / Log)Manueller Fokus / Fokus-Peaking
  3. 3

    Einstellungsgrössen, Perspektiven und Anschlüsse bewusst einsetzen

    Kompetenz C

    Du drehst Szenen so, dass im Schnitt genug Variation vorhanden ist: Totale, Halbnahe, Nahe und Detail. Du hältst die Handlungsachse ein und achtest auf Anschlussfehler.

    Situation

    Für einen Imagefilm einer Schreinerei soll gezeigt werden, wie ein Tisch entsteht. Die erste Version wirkt langweilig, weil alles aus derselben Position gefilmt wurde.

    Deine Aufgabe

    Plane die Szene 'Tischplatte schleifen' neu.

    Gutes Ergebnis

    Sequenz aus fünf Einstellungen: Totale der Werkstatt, Halbnahe des Schreiners, Detail der Schleifmaschine, Nahaufnahme des Gesichts, Detail der Hand über der glatten Oberfläche. Jede Einstellung 8 bis 10 Sekunden mit Vor- und Nachlauf. Die Kamera bleibt immer auf derselben Seite der Handlungsachse.

    EinstellungsgrössenAchsensprung / 180-Grad-AchseSchuss / GegenschussB-RollAnschluss (Continuity)
  4. 4

    Licht und Ton am Drehort professionell einrichten

    Kompetenz D

    Du beleuchtest Interviews mit einem Dreipunktlicht und setzt vorhandenes Licht bewusst ein. Den Ton nimmst du separat mit Ansteckmikrofon oder Richtmikrofon auf und kontrollierst ihn ständig mit Kopfhörer.

    Situation

    Ein Interview mit der Geschäftsführerin soll in ihrem Büro mit Fenster und Neonröhren an der Decke gedreht werden.

    Deine Aufgabe

    Richte Licht und Ton für ein ruhiges, hochwertiges Interviewbild ein.

    Gutes Ergebnis

    Neonröhren aus. Fenster als seitliches Führungslicht, eine LED mit Softbox (5600 K) als Aufheller auf der anderen Seite, eine kleine LED als Spitzlicht von hinten. Lavalier unter dem Revers mit Funkstrecke, Pegel um -12 dB, Kamera-Ton als Sicherung. Interviewte schaut leicht an der Kamera vorbei zur Interviewerin.

    DreipunktlichtFarbtemperatur angleichenLavalier / FunkstreckeRichtmikrofon / TonangelAtmo / Raumton
  5. 5

    Material im Schnitt zu einer verständlichen Geschichte formen

    Kompetenz E

    Du organisierst das Material in Bins, sichtest es, erstellst einen Rohschnitt und verfeinerst ihn zum Feinschnitt. Mit J- und L-Schnitten, Schnitten auf Bewegung und Musik erzeugst du Rhythmus.

    Situation

    Von einem Firmenjubiläum liegen 3 Stunden Material vor. Gewünscht ist ein 90-sekündiges Aftermovie.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Schnitt mit klarer Dramaturgie.

    Gutes Ergebnis

    Material in Bins nach Programmpunkt sortiert, beste Clips mit Markern versehen. Struktur: Ankommen, Rede, Essen, Party, Schlussbild. Schnitt auf den Beat der Musik, ein O-Ton der CEO über einen L-Schnitt auf Publikumsbilder gelegt. Aus Proxys geschnitten, damit der Laptop flüssig läuft.

    Bins / SichtungRohschnitt / FeinschnittJ-Schnitt / L-SchnittSchnitt auf BewegungProxy-Workflow
  6. 6

    Farbe, Ton, Titel und Untertitel finalisieren und exportieren

    Kompetenz F

    Du korrigierst Farben mit Scopes, gibst dem Film einen einheitlichen Look, mischst den Ton auf Ziellautheit und fügst Titel und Untertitel ein. Danach exportierst du Versionen für jeden Kanal.

    Situation

    Das Lehrstellenvideo wurde mit zwei verschiedenen Kameras gedreht, die Farben passen nicht zusammen. Es soll auf YouTube, als Reel und auf einem Monitor am Empfang laufen, wo kein Ton zu hören ist.

    Deine Aufgabe

    Finalisiere den Film und erstelle alle Exporte.

    Gutes Ergebnis

    Primärkorrektur mit Waveform und Vektorskop, Kamera B an Kamera A angeglichen, danach ein dezenter Look. Ton auf -14 LUFS für Social, Untertitel als SRT für YouTube und eingebrannt für Reel und Empfangsmonitor. Exporte: H.264 1920 x 1080 25 fps ca. 16 Mbit/s, Reel 1080 x 1920, Empfang als Loop ohne Ton.

    PrimärkorrekturWaveform / VektorskopLUT / LookRec.709Untertitel SRT / eingebranntH.264 / H.265

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Konzept und Drehbuch

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Kameratechnik für Video

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Bildsprache und Auflösung

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Licht und Ton am Drehort

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Schnitt und Dramaturgie

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Finishing und Ausgabe

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Lehrstellenfilm für die Recycling Leberberg AG

Selina ist im 3. Lehrjahr als Mediamatikerin bei der Videoproduktion Aareblick GmbH in Solothurn mit 9 Mitarbeitenden. Die Recycling Leberberg AG in Grenchen mit 70 Mitarbeitenden findet kaum Lernende für den Beruf Recyclist EFZ und bestellt einen 75-sekündigen Film. Er soll auf der Website, als Reel und ohne Ton auf einem Bildschirm am Messestand laufen, budgetiert sind zwei Drehtage.

  1. Kapitel 1

    Abfall bekommt ein zweites Leben

    Im Gespräch mit dem Ausbildungsverantwortlichen hält Selina die Kernbotschaft fest: Wer hier lernt, sorgt dafür, dass aus Abfall wieder Rohstoff wird. Ihr Treatment beginnt mit einem Greifer, der krachend in einen Berg Altmetall fährt, damit der Film in den ersten drei Sekunden packt. Im zweispaltigen Drehbuch stehen Bild und Ton nebeneinander, mit Zeitangaben bis 75 Sekunden. Der Kunde streicht eine Szene mit dem CEO am Schreibtisch, weil sie Jugendliche kaum anspricht.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Zwei Kameras, ein Flackern

    Gedreht wird mit 25 fps und 1/50 s, auf dem sonnigen Werkhof mit einem ND-Filter, damit Selina bei Blende f/2.8 bleiben kann. Das Zebra auf 95 % zeigt ihr, wann die hellen Container ausfressen. Bei der Sichtung am Mittag flackern die Hallenaufnahmen der zweiten Kamera, die noch auf 30 fps und 1/60 s stand und damit nicht zum 50-Hz-Stromnetz passt. Selina stellt beide Kameras auf dieselben Werte und dasselbe Bildprofil und dreht die drei betroffenen Einstellungen neu.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Vom Förderband bis zum Detail

    Die Szene, in der ein Lernender Elektroschrott sortiert, löst Selina in sieben Einstellungen auf: eine Totale der Halle, eine Halbnahe am Förderband, eine Nahe aufs Gesicht und vier Details von Händen und Bauteilen. Sie hält die Handlungsachse entlang des Förderbands ein, damit das Material im Schnitt immer in dieselbe Richtung läuft. Bei der Kontrolle merkt sie, dass der Lernende in der Nahen Handschuhe trägt und im Detail nicht. Ab dann notiert sie solche Anschlüsse direkt in der Shotlist.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Interview neben dem Lärm

    Das Interview mit einer Lernenden im 2. Lehrjahr sollte eigentlich in der Halle stattfinden, doch dort ist es zu laut. Selina zieht ins Sitzungszimmer um, nutzt das Fenster als Führungslicht, hellt mit einer LED-Leuchte auf und setzt ein Kantenlicht von hinten. Den Ton nimmt sie mit Lavalier und Funkstrecke auf und hört ständig mit. Nach der ersten Antwort hört sie ein Rascheln am Hemd, befestigt das Mikrofon mit einer Schlaufe neu und lässt die Antwort wiederholen.

    Ziel 4

  5. Kapitel 5

    Vier Stunden werden 75 Sekunden

    Selina ordnet das Material in Bins nach Drehort, legt Proxys an und baut nach Drehbuch einen Rohschnitt von 2:10 Minuten. Im Feinschnitt kürzt sie auf 1:15, lässt mit J-Schnitten die Interviewstimme schon über den Werkhofbildern beginnen und schneidet auf Bewegungen. Weil die beiden Kameras unterschiedliche Hauttöne zeigen, gleicht sie die Farben mit Waveform und Vektorskop an und gibt allen Clips einen gemeinsamen Look. Zum Schluss exportiert sie die Website-Version, ein 30-sekündiges Reel und eine stumme Messeversion mit eingebrannten Untertiteln und archiviert das Projekt mit allen Rohdaten.

    Ziel 5Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Konzept und Drehbuch

    ca. 5 Std.

    Du lernst, eine Filmidee so festzuhalten, dass Kundschaft und Team wissen, was entsteht.

    • Drei Unternehmensvideos analysieren: Hook in den ersten 3 Sekunden, Botschaft, Schluss
    • Ein Treatment auf einer halben Seite für einen 60-Sekunden-Film schreiben
    • Daraus ein zweispaltiges Drehbuch mit Zeitangaben erstellen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Kameratechnik für Video

    ca. 5 Std.

    Du überträgst dein Fotowissen auf Video und lernst die Besonderheiten bewegter Bilder.

    • Dieselbe Bewegung mit 1/50 s und 1/500 s bei 25 fps filmen und vergleichen
    • Mit ND-Filter bei offener Blende im Sonnenlicht filmen
    • Zebra, Fokus-Peaking und manuellen Fokus bei einer Schärfeverlagerung üben

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Bildsprache und Auflösung einer Szene

    ca. 5 Std.

    Du lernst, eine Handlung in Einstellungen zu zerlegen, die sich gut schneiden lassen.

    • Eine Alltagshandlung (Kaffee zubereiten) in sechs Einstellungen auflösen und drehen
    • Ein Gespräch mit Schuss und Gegenschuss drehen und die Handlungsachse einhalten
    • Absichtlich einen Achsensprung drehen und die Wirkung im Schnitt ansehen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Interview-Setup mit Licht und Ton

    ca. 5 Std.

    Du baust das wichtigste Setting im Unternehmensfilm sauber auf.

    • Dreipunktlicht in 20 Minuten aufbauen und mit nur einer Lichtquelle vergleichen
    • Ein Interview mit Lavalier und Kameramikrofon parallel aufnehmen und vergleichen
    • Checkliste für Interviewdrehs mit allen Einstellungen erstellen

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  5. 5

    Schnitt und Dramaturgie

    ca. 7 Std.

    Du formst aus Rohmaterial eine Geschichte mit Rhythmus.

    • Projekt mit Bins, Proxys und Markern organisieren
    • Rohschnitt nach Drehbuch, danach Feinschnitt mit J- und L-Schnitten
    • Den Schnitt jemandem zeigen, der das Material nicht kennt, und Feedback einarbeiten

    Trainiert Kompetenz E1E2

    Lernziel5

  6. 6

    Finishing und Abschlussfilm

    ca. 8 Std.

    Du produzierst einen vollständigen Kurzfilm wie im Kompetenznachweis und lieferst ihn für mehrere Kanäle aus.

    • Farbkorrektur mit Scopes und einheitlichem Look
    • Ton mischen, Titel, Bauchbinden und Untertitel einfügen
    • Exporte für YouTube, Reel und stummen Bildschirm erstellen und Projekt archivieren

    Trainiert Kompetenz A3D3E3F2F3

    Lernziel12456

Üben

Übungen aus der Praxis

Eine Handlung in Einstellungen auflösen

Einstieg Einstieg

Ein Café in Aarau will einen 20-sekündigen Clip, der zeigt, wie ein Cappuccino zubereitet wird.

Weist nach B1C1E1

  1. Die Handlung in mindestens sechs Einstellungen mit verschiedenen Grössen zerlegen
  2. Kamera korrekt einstellen (25 fps, 1/50 s, manueller Weissabgleich)
  3. Drehen und zu einem Clip mit Musik schneiden
Tipp anzeigen

Details wie der Milchschaum oder die Kaffeetropfen machen den Clip lebendig. Filme jede Einstellung länger, als du denkst.

Lösungsskizze anzeigen

Totale Café, Halbnahe Barista, Detail Bohnen in der Mühle, Detail Espresso läuft, Nahe Milchschaum, Detail Latte Art, Halbnahe Übergabe an Gast. Jede Einstellung ca. 10 Sekunden gedreht, im Schnitt 2 bis 4 Sekunden, auf den Takt der Musik geschnitten.

Mitarbeiterinterview für die Karriereseite

Fortgeschritten Fortgeschritten

Ein Elektrizitätswerk in einer Kleinstadt will auf der Karriereseite drei 45-sekündige Interviews mit Mitarbeitenden zeigen, alle im gleichen Look.

Weist nach D2E2F2

  1. Fragen und B-Roll pro Person planen
  2. Ein reproduzierbares Interview-Setup mit Dreipunktlicht und Lavalier aufbauen und dokumentieren
  3. Interviews und B-Roll drehen
  4. Interviews kürzen und mit B-Roll über L-Schnitte bebildern
  5. Farben angleichen, Bauchbinden einfügen, Untertitel erstellen
Tipp anzeigen

Fotografiere das Setup und notiere Lichtpositionen, Kameraeinstellungen und Abstände. So sehen alle drei Interviews gleich aus, auch wenn sie an verschiedenen Tagen gedreht werden.

Lösungsskizze anzeigen

Einheitliches Setup: Kamera auf Augenhöhe, 50 mm, f/2.8, 1/50 s, 5600 K, Dreipunktlicht dokumentiert. Fragen offen formuliert, damit ganze Sätze entstehen. Schnitt: Interview als Rückgrat, B-Roll deckt Schnitte im O-Ton ab. Gleicher Look für alle drei, Bauchbinde als Vorlage, Untertitel als SRT und eingebrannt.

Imagefilm für ein KMU von A bis Z

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Ein Familienunternehmen für Sanitärinstallationen mit 25 Mitarbeitenden feiert 50 Jahre und möchte einen 90-sekündigen Imagefilm für Website und LinkedIn sowie eine 20-sekündige Hochformatversion für Instagram. Budget: zwei Drehtage, CHF 5500 exkl. MWST.

Weist nach A3B3C3D3E3F3

  1. Konzept, Treatment und zweispaltiges Drehbuch erstellen
  2. Shotlist und Drehplan für zwei Tage planen, inklusive Interview mit dem Inhaber
  3. Drehen mit korrekter Kamera-, Licht- und Toneinstellung
  4. Schnitt der Hauptversion und Ableitung der Hochformatversion
  5. Farbkorrektur, Tonmischung, Titel, Untertitel und Exporte für alle Kanäle
Tipp anzeigen

Plane die Hochformatversion schon beim Dreh ein. Wenn du in UHD drehst und das Motiv mittig hältst, kannst du 9:16 aus dem 16:9-Bild schneiden.

Lösungsskizze anzeigen

Story: Tradition und Zukunft, erzählt vom Inhaber im Off, bebildert mit Baustellen, Werkstatt und Team. Dreh in UHD 25 fps. Hauptversion 90 Sekunden, Hochformat aus derselben Timeline mit angepasstem Ausschnitt und kürzerer Struktur. Ton auf -14 LUFS, Untertitel eingebrannt für LinkedIn und Instagram. Exporte H.264, Projekt mit Rohdaten archiviert.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Welche Verschlusszeit wählst du bei 25 fps nach der 180-Grad-Regel?

1/50 s, also doppelt so schnell wie die Bildrate. So entsteht natürliche Bewegungsunschärfe.

Wozu dient ein ND-Filter beim Filmen?

Er reduziert das Licht, ohne Farben zu verändern. So kannst du bei hellem Licht die Blende offen und die Verschlusszeit bei 1/50 s lassen.

Was ist ein Achsensprung?

Die Kamera wechselt zwischen zwei Einstellungen auf die andere Seite der Handlungsachse. Personen scheinen dann plötzlich in die falsche Richtung zu schauen oder zu laufen.

Was ist der Unterschied zwischen J-Schnitt und L-Schnitt?

Beim J-Schnitt ist der Ton der nächsten Szene schon vor dem Bild zu hören. Beim L-Schnitt läuft der Ton der vorherigen Szene unter dem neuen Bild weiter.

Wozu brauchst du Proxys?

Proxys sind leichtere Kopien des Materials. Damit läuft der Schnitt auch auf schwächeren Computern flüssig, exportiert wird trotzdem aus dem Originalmaterial.

Warum sind eingebrannte Untertitel auf Social Media wichtig?

Weil die meisten Videos im Feed ohne Ton angeschaut werden. Ohne Untertitel geht die Botschaft verloren.

Welche Scopes nutzt du zur Farbkorrektur und wofür?

Die Waveform zeigt Helligkeit von Schwarz bis Weiss, das Vektorskop Farbton und Sättigung. Damit korrigierst du objektiv statt nur nach Monitor.

Welche Bitrate ist für ein 1080p-Video mit 25 fps auf YouTube sinnvoll?

YouTube empfiehlt rund 8 Mbit/s in H.264, bewährt sind 10 bis 16 Mbit/s.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Nur Halbnahen drehen und im Schnitt merken, dass es keine Details und keine Übersicht gibt.
  • Ohne separates Mikrofon drehen. Kameraton aus 3 m Entfernung ist für Interviews unbrauchbar.
  • Automatischen Weissabgleich und Autobelichtung nutzen, sodass Helligkeit und Farbe mitten in der Einstellung springen.
  • Zu spät mit dem Schnitt beginnen und keine Zeit mehr für Farbkorrektur, Tonmischung und Untertitel haben.
  • Lizenzfreie Musik ohne Prüfung der Lizenzbedingungen verwenden, sodass das Video auf YouTube gesperrt wird.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Plane im Kompetenznachweis mindestens 40 % der Zeit für den Schnitt und das Finishing ein.
  • Begründe in deiner Dokumentation Kameraeinstellungen und Schnittentscheide mit Fachbegriffen.
  • Drehe von jeder Einstellung mit Vor- und Nachlauf von je 3 Sekunden. Das rettet viele Schnitte.
  • Kontrolliere den fertigen Export komplett, inklusive Untertitel, Ton und erstem und letztem Frame.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Treatment
Kurze Beschreibung der Filmidee in Prosa mit Handlung, Stimmung und Stil.
Einstellungsgrösse
Bildausschnitt im Verhältnis zur Person, z.B. Totale, Halbnahe, Nahe, Detail.
180-Grad-Regel
Die Verschlusszeit ist der Kehrwert der doppelten Bildrate, also 1 / (2 x fps), z.B. 1/50 s bei 25 fps.
Handlungsachse
Gedachte Linie zwischen handelnden Personen. Die Kamera bleibt auf einer Seite, damit die Orientierung erhalten bleibt.
B-Roll
Zusatzmaterial, das über Interviews oder Sprechertext gelegt wird und das Gesagte bebildert.
Proxy
Datenreduzierte Kopie des Videomaterials für einen flüssigen Schnitt.
Color Grading
Gestalterische Farbbearbeitung, die einem Film nach der technischen Korrektur seinen Look gibt.
Rec.709
Farbstandard für HD-Video, auf den Filme für Web und TV in der Regel ausgegeben werden.
Bauchbinde
Eingeblendeter Text im unteren Bildteil mit Name und Funktion einer Person.

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