Lektion 1 von 8
Schulen statt präsentieren: Tell, Show, Do, Review
Du erkennst den Unterschied zwischen Präsentation und Schulung, kennst das Muster Tell, Show, Do, Review mit den englischen Kernsätzen jeder Phase und schreibst einen Einstieg in einfachem Trainer English.
Worum es geht
Elif ist im 3. Lehrjahr als Entwicklerin digitales Business bei der Gartmann Facility Services AG in Zürich-Oerlikon. Die Reinigungsteams sollen ihre Objekt-Checklisten künftig in einer Power App abhaken statt auf Papier. Elif hat die App mitgebaut, und jetzt bekommt sie den Auftrag, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Sie soll die neun Teamleitenden schulen. Die kommen aus sechs Ländern, sprechen untereinander Englisch, und ihr Niveau reicht von «ich verstehe einfache Sätze» bis «fliessend».
Elifs erster Reflex: «Ich mache ein paar Folien, zeige die App und frage am Schluss, ob es Fragen gibt.» Das ist eine Präsentation. Präsentieren auf Englisch hat sie in Modul 371 geübt. Aber eine Präsentation ist erfolgreich, wenn das Publikum etwas verstanden hat. Eine Schulung ist erst erfolgreich, wenn die Teilnehmenden etwas können: am nächsten Morgen allein vor dem Putzwagen stehen, die App öffnen und die Checkliste für ein Gebäude abschliessen.
In diesem Kurs lernst du, eine Schulungssequenz von 20 bis 45 Minuten auf Englisch zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Die Erklärungen sind auf Deutsch, die Formulierungen für dich als Trainer oder Trainerin auf Englisch, damit du sie direkt übernehmen kannst. In dieser ersten Lektion bekommst du das Gerüst, an dem alles hängt: das Muster Tell, Show, Do, Review und die wichtigsten englischen Sätze für jede Phase.
Präsentation oder Schulung?
Von aussen sehen beide gleich aus: Eine Person steht vorne, es gibt einen Beamer, alle anderen sitzen. Der Unterschied liegt darin, wer am meisten arbeitet.
| Präsentation | Schulung | |
|---|---|---|
| Ziel | Publikum informieren oder überzeugen | Teilnehmende können danach eine Tätigkeit ausführen |
| Wer ist aktiv? | vor allem die vortragende Person | vor allem die Teilnehmenden |
| Erfolg sichtbar an | Zustimmung, Entscheid, Fragen | Teilnehmende erledigen eine Aufgabe ohne Hilfe |
| Typische Sprache | «I'd like to show you ...», «As you can see ...» | «Now it's your turn.», «Show me how you ...» |
| Material | Folien | Gerät, Übungsdaten, Kurzanleitung |
Eine Faustregel aus der Praxis, die auch Prüfende anwenden: Eine Sequenz ohne Übungsphase ist eine Präsentation, keine Schulung. Wenn die Teilnehmenden in deinen 30 Minuten nie selbst tippen, klicken oder ausfüllen, hast du sie informiert, aber nicht geschult.
Dazu kommt die Sprache. In einer Präsentation darf dein Englisch etwas eleganter sein, weil die Zuhörenden Zeit haben, mitzudenken. In einer Schulung hören die Teilnehmenden dir zu, während sie auf ein Gerät schauen und etwas tun. Ihre Aufmerksamkeit ist geteilt. Darum brauchst du hier ein besonders einfaches, gleichförmiges Englisch, mehr dazu weiter unten.
Laura plant für die Einführung eines neuen Ticketsystems 30 Minuten: 12 Minuten Folien, 12 Minuten Live-Demo, 6 Minuten Fragerunde. Wie beurteilst du den Plan?
Tell, Show, Do, Review
Fast jede gute Software- oder Prozessschulung folgt demselben Muster. Du kennst es vielleicht aus dem Alltag: Wer dir das Velo-Flicken beibringt, erklärt kurz, worum es geht (Tell), macht es dir einmal vor (Show), lässt dich selbst den Schlauch wechseln (Do) und schaut am Ende, ob der Reifen hält (Review). Genau so funktioniert eine Schulungssequenz. Davor steht ein kurzer Einstieg, danach ein sauberer Abschluss.
Der gestrichelte Pfeil ist wichtig: Wenn du im Review merkst, dass ein Schritt nicht sitzt, zeigst du ihn nochmals und lässt nochmals üben. Bei längeren Abläufen wiederholst du das Muster pro Teilaufgabe, zum Beispiel einmal für «Checkliste abhaken» und einmal für «Schaden mit Foto melden».
Für jede Phase gibt es typische Sätze, die du dir zurechtlegen solltest. Unter Nervosität fallen einem sonst ausgerechnet die einfachen Formulierungen nicht ein.
| Phase | Was du tust | Kernsätze auf Englisch |
|---|---|---|
| Welcome | begrüssen, Nutzen und Lernziele nennen, Ablauf zeigen | «Welcome, everyone.» «By the end of this session, you will be able to ...» |
| Tell | in zwei bis drei Minuten erklären, warum und was | «Why are we doing this? Because ...» «There are three steps.» |
| Show | den Ablauf langsam vorführen, Schritt für Schritt | «Watch my screen. Don't click yet.» «First, tap ...» |
| Do | Teilnehmende üben selbst, du gehst herum und hilfst | «Now it's your turn.» «You have ten minutes.» «Work in pairs.» |
| Review | prüfen, ob es sitzt: Fragen, Vorzeigen lassen, Quiz | «Show me how you add a photo.» «What do you do if ...?» |
| Wrap-up | zusammenfassen, Hilfe zeigen, Feedback holen | «Let's sum up.» «If you get stuck, check the card.» |
Wie lange dauert welche Phase? Eine grobe Orientierung für 30 Minuten: Welcome und Tell zusammen 5 bis 8 Minuten, Show 6 bis 8 Minuten, Do 10 bis 12 Minuten, Review und Wrap-up 5 bis 7 Minuten. Die Übungsphase ist fast immer der längste Block. Wie du das genau planst, lernst du in Lektion 3.
Bring die Phasen einer Schulungssequenz mit den passenden englischen Sätzen in die richtige Reihenfolge.
- 1
Wrap-up: «Let's sum up. If you get stuck, check the card.»
- 2
Show: «Watch my screen. Don't click yet.»
- 3
Review: «Show me how you add a photo.»
- 4
Tell: «Why are we doing this? Because ...»
- 5
Welcome: «By the end of this session, you will be able to ...»
- 6
Do: «Now it's your turn. You have ten minutes.»
Ordne jeden englischen Satz der Phase zu, in die er gehört.
Trainer English: einfach, langsam, gleich
Du musst kein perfektes Englisch sprechen, um eine gute Schulung auf Englisch zu halten. Viel wichtiger ist, dass dein Englisch für die Gruppe passt. Wer Teilnehmende mit A2-Niveau hat (einfache Sätze zu vertrauten Themen), erreicht sie nicht mit «Subsequently, you'll want to navigate to the relevant section». Diese fünf Regeln helfen dir sofort:
1. Kurze Sätze, eine Information pro Satz. «Open the app. Tap Checklists. Choose your building.» statt eines langen Satzes mit «and then» und «which».
2. Immer dasselbe Wort für dieselbe Sache. Wenn du einmal «tap» sagst, sag nicht später «press», «hit» oder «touch». Für dich ist das Abwechslung, für Teilnehmende mit wenig Englisch sind das vier verschiedene Befehle.
3. Keine Redewendungen. «It's a piece of cake», «Let's touch base», «We're on the same page»: Das verstehen Muttersprachler, aber nicht unbedingt eine Teamleiterin aus Eritrea mit B1-Niveau. Sag stattdessen «It's easy», «Let's talk», «Is that clear so far? Show me ...».
4. Langsamer sprechen und Pausen machen. Nach jedem Schritt eine kurze Pause, damit alle nachkommen. Langsam heisst nicht übertrieben laut oder kindlich, sondern deutlich und mit Pausen zwischen den Sätzen.
5. Wörter zeigen, nicht nur sagen. Wenn du «Tap the camera icon» sagst, zeigst du gleichzeitig mit dem Finger oder der Maus auf das Symbol. Bild und Wort zusammen verstehen auch Personen, die das Wort «icon» nicht kennen.
Ein weiterer Unterschied zur Präsentation: Du sprichst die Teilnehmenden direkt an und benutzt «you» und «we». «You open the app» ist klarer als «The app is opened». Passivsätze und unpersönliche Formulierungen wie «One should ...» haben in einer Schulung nichts verloren.
Schritt für Schritt: Elifs erste drei Minuten
Elif schreibt den Einstieg ihrer 30-Minuten-Schulung Wort für Wort auf. Nicht, um ihn abzulesen, sondern um die Sätze einmal sauber formuliert zu haben. So geht sie vor:
Schritt 1: Begrüssen und sich vorstellen (20 Sekunden). Kurz und freundlich. Die Teilnehmenden kennen Elif kaum.
Schritt 2: Den Nutzen nennen (30 Sekunden). Warum sollen die Teamleitenden zuhören? Weil das Papier wegfällt und die Abrechnung mit den Kunden einfacher wird. Elif nennt einen Nutzen, der für die Teamleitenden zählt, nicht für die Geschäftsleitung.
Schritt 3: Die Lernziele nennen (40 Sekunden). Zwei Ziele, als beobachtbares Verhalten formuliert. Wie man gute Lernziele schreibt, lernst du in Lektion 2.
Schritt 4: Den Ablauf mit Zeiten zeigen (30 Sekunden). Die Teilnehmenden wissen dann, dass sie bald selbst etwas tun dürfen. Das hält die Aufmerksamkeit.
Schritt 5: Organisatorisches klären (30 Sekunden). Handys bereit, WLAN, Fragen jederzeit erlaubt.
Schritt 6: Überleiten zum Tell (10 Sekunden). Ein klarer Satz, der den Wechsel markiert.
Das fertige Skript:
1 Good afternoon, everyone, and welcome. My name is Elif.
I helped to build the new cleaning app.
2 From next Monday, your teams won't need paper checklists any more.
You check the rooms on your phone, and the office sees it right away.
3 By the end of this session, you will be able to:
one, complete the checklist for one building,
and two, report damage with a photo.
4 Here's the plan for today. First, I'll explain the app briefly.
Then I'll show you how it works. After that, it's your turn:
you'll practise in pairs for about twelve minutes.
At the end, we'll check together and I'll give you a card to keep.
5 Please take out your phones. The Wi-Fi is "Gartmann-Guest",
the password is on the board. If you have a question, just ask.
Any time.
6 OK. Let's start with the big picture.Fällt dir etwas auf? Kein Satz ist länger als etwa 15 Wörter. Die Lernziele sind nummeriert («one ... and two ...»), damit man sie hören kann. Der Ablauf verwendet dieselben Reihenfolgewörter, die Elif später in den Anleitungen braucht (first, then, after that). Und gleich am Anfang steht, dass alle selbst üben werden.
Ergänze Elifs Einstieg. Je ein Wort pro Lücke.
«Good afternoon, everyone, and . My name is Elif. By the of this session, you will be to complete the checklist for one building. Here's the for today: first, I'll explain the app briefly. Then I'll show you how it works. After that, it's your .»
Typische Fehler
- Eine Präsentation halten statt zu schulen. 25 Minuten Folien und Demo, 5 Minuten «Any questions?». Die Teilnehmenden haben die App gesehen, aber nie bedient. Plane die Übungsphase als längsten Block und kündige sie im Einstieg an.
- Mit Details beginnen. Wer sofort in Menüs einsteigt, verliert die Gruppe. Zuerst der Nutzen und die Lernziele, dann der Überblick, dann die Details.
- Zu schnell und zu abwechslungsreich sprechen. «Press», «tap», «hit» und «click» für dieselbe Handlung verwirren Personen mit A2- oder B1-Niveau. Ein Wort pro Handlung und Pausen nach jedem Schritt.
- Redewendungen und Insider-Abkürzungen. «Let's get the ball rolling» oder «the QA team will sync with you» sind für viele nicht verständlich. Sag es wörtlich: «Let's start.»
- Das Review vergessen. Ohne Überprüfung weisst du nicht, ob die Schulung gewirkt hat. Mindestens eine Aufgabe, bei der jede Person zeigt, dass sie es kann.
Zusammenfassung
- Eine Schulung ist erfolgreich, wenn die Teilnehmenden etwas können, nicht nur verstanden haben. Ohne Übungsphase ist es eine Präsentation.
- Das Grundmuster ist Tell, Show, Do, Review, eingerahmt von Welcome (Nutzen, Lernziele, Ablauf) und Wrap-up.
- Die Do-Phase ist meistens der längste Block. Im Review entdeckte Lücken schliesst du mit einem zweiten Show und Do.
- Trainer English heisst: kurze Sätze, immer dasselbe Wort für dieselbe Sache, keine Redewendungen, langsam mit Pausen, Wörter gleichzeitig zeigen.
- Sprich die Teilnehmenden mit you und we an, nicht im Passiv.
- Schreib deinen Einstieg einmal Wort für Wort auf: Begrüssung, Nutzen, Lernziele, Ablauf, Organisatorisches, Überleitung. Er sollte nicht länger als drei bis vier Minuten dauern.