217

Cloud & DevOps · IoE-Service

Service für Internet of Everything konzipieren, planen und aufbauen

Du entwirfst einen vollständigen IoT-Service vom Sensor bis zum Dashboard und baust ihn so auf, dass er zuverlässig, sicher und bezahlbar läuft.

Anspruchsvoll Anspruchsvoll ca. 35 Std. SelbststudiumApplikationsentwicklung: 3. Lehrjahr · üK-WahlpflichtPlattformentwicklung: 3. Lehrjahr · üK-Wahlpflicht
#IoT-Architektur#MQTT#LoRaWAN#Zeitreihendatenbank#InfluxDB#Grafana#Docker Compose#Alarmierung#Datenschutz#Anforderungen

Überblick

Worum geht es?

Einzelne Sensoren anzuschliessen ist das eine. Einen Service zu bauen, auf den sich ein Kunde verlassen kann, ist etwas anderes. In diesem Modul nimmst du Anforderungen auf, entwirfst eine Architektur über alle Schichten und legst Datenfluss und Datenmodell fest. Du baust den Service mit Containern auf, richtest Überwachung und Alarmierung ein und planst Sicherheit und Datenschutz von Anfang an mit. Zum Schluss rechnest du Kosten in CHF und präsentierst die Lösung wie in einem echten Kundenprojekt.

Wofür brauchst du das?

IoT-Projekte scheitern selten an der Technik, sondern an unklaren Anforderungen, fehlender Überwachung oder Kosten, die niemand gerechnet hat. Wer einen Service ganzheitlich plant, kann Kunden wie Gemeindewerke, Lebensmittelbetriebe oder Facility-Manager kompetent beraten. Das Modul verbindet Wissen aus 216 (IoE-Endgeräte), 169/347 (Container) und 231 (Datenschutz) zu einem Gesamtprojekt.

Das solltest du schon können

  • Sensoren an Mikrocontroller anschliessen und Daten per MQTT senden (Modul 216)
  • Dienste mit Docker und Docker Compose starten und konfigurieren (Modul 347)
  • Grundlagen des Schweizer Datenschutzgesetzes und der Datensicherheit (Modul 231)
  • Linux-Server per SSH administrieren

Typische Tools & Technologien

Mosquitto / EMQXInfluxDBGrafanaNode-RED / TelegrafDocker ComposeThe Things Stack (LoRaWAN)ESP32 / LoRaWAN-SensorenLinux-VM bei einem Schweizer Hoster

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Anforderungen an einen IoT-Service erheben und priorisieren

    Kompetenz A

    Du findest im Gespräch heraus, was der Kunde wirklich braucht: welche Werte, wie oft, wie genau, wer wird wann informiert, wie lange werden Daten aufbewahrt. Funktionale und nicht-funktionale Anforderungen hältst du messbar fest.

    Situation

    Die Metzgerei Brunner AG hat 5 Filialen im Kanton Bern mit insgesamt 22 Kühl- und Tiefkühlgeräten. Die Temperaturen werden heute zweimal täglich von Hand in eine Liste eingetragen.

    Deine Aufgabe

    Erhebe die Anforderungen für eine automatische Überwachung.

    Gutes Ergebnis

    Muss: Temperatur pro Gerät alle 5 Minuten, Genauigkeit ±0.5 °C, Alarm per SMS an die Filialleitung nach 15 Minuten über Grenzwert, monatlicher PDF-Bericht für die Lebensmittelkontrolle, Daten 2 Jahre aufbewahren. Soll: Batterielaufzeit mindestens 3 Jahre, Verfügbarkeit des Dashboards 99 %. Kann: Türöffnungen erfassen.

    funktionale Anforderungnicht-funktionale AnforderungMoSCoWMessintervallAbnahmekriterium
  2. 2

    Eine Architektur vom Sensor bis zum Dashboard entwerfen

    Kompetenz B

    Du teilst den Service in Schichten ein: Geräte, Übertragung, Gateway, Datenaufnahme, Speicherung, Auswertung und Darstellung. Für jede Schicht wählst du Technologien und begründest die Wahl anhand der Anforderungen.

    Situation

    Die Kühlgeräte stehen teilweise im Keller hinter dicken Mauern. WLAN ist dort schlecht, Stromanschlüsse für Sensoren gibt es nicht.

    Deine Aufgabe

    Entwirf die Architektur.

    Gutes Ergebnis

    Batteriesensoren mit LoRaWAN, je ein LoRaWAN-Gateway pro Filiale am Internetanschluss. The Things Stack als LoRaWAN-Netzwerkserver, Weitergabe per MQTT an Node-RED, Speicherung in InfluxDB, Dashboards und Alarme in Grafana, alles auf einer Linux-VM bei einem Schweizer Hoster. Architekturdiagramm mit allen Komponenten, Protokollen und Ports.

    SchichtenmodellEdge / Gateway / BackendLoRaWAN-NetzwerkserverArchitekturdiagrammTechnologieentscheid
  3. 3

    Datenfluss, Topic-Struktur und Datenmodell festlegen

    Kompetenz B

    Du bestimmst, in welchem Format Daten unterwegs sind, wie Topics aufgebaut sind und wie die Daten in einer Zeitreihendatenbank abgelegt werden. Dazu gehören Aufbewahrungsregeln und verdichtete Daten für Langzeitberichte.

    Situation

    Die Rohdaten von 22 Sensoren alle 5 Minuten ergeben über 2 Jahre mehr als 4.6 Millionen Messpunkte. Berichte sollen trotzdem schnell sein.

    Deine Aufgabe

    Lege Topics, Payload und Datenmodell fest.

    Gutes Ergebnis

    Topic 'brunner/{filiale}/{geraet}/telemetrie' mit JSON {"temp": 3.4, "bat": 87}. In InfluxDB Measurement 'kuehlung' mit Tags 'filiale' und 'geraet' sowie Feldern 'temp' und 'bat'. Rohdaten 90 Tage, 15-Minuten-Mittel, Minimum und Maximum per Task in einen zweiten Bucket mit 2 Jahren Aufbewahrung.

    Payload-Format (JSON)Topic-HierarchieZeitreiheTag vs. FeldRetention / Downsampling
  4. 4

    Den Service mit Containern reproduzierbar aufbauen

    Kompetenz C

    Du setzt alle Backend-Komponenten mit Docker Compose auf, sodass der Service auf einem neuen Server in wenigen Minuten wieder steht. Konfigurationen und Geheimnisse trennst du sauber vom Code.

    Situation

    Der Prototyp läuft auf deinem Laptop. Er soll auf eine VM mit Ubuntu 24.04 bei einem Hoster in der Schweiz umziehen.

    Deine Aufgabe

    Baue den Service produktionsnah auf.

    Gutes Ergebnis

    docker-compose.yml mit Mosquitto, Node-RED, InfluxDB und Grafana, persistente Volumes für alle Daten. Passwörter und Tokens in einer .env-Datei, die nicht im Git-Repository liegt. Nur Port 443 (Grafana über Reverse Proxy mit Let's-Encrypt-Zertifikat) und 8883 (MQTT mit TLS) sind von aussen offen. Neuaufbau aus dem Repository dauert 10 Minuten.

    Docker ComposeVolumeUmgebungsvariablen / SecretsReverse ProxyInfrastructure as Code
  5. 5

    Alarmierung und Überwachung des Services sicherstellen

    Kompetenz D

    Du unterscheidest zwischen fachlichen Alarmen (Kühlgerät zu warm) und technischen Alarmen (Sensor sendet nicht mehr, Datenbank voll). Für beide legst du Regeln, Empfänger und Eskalation fest und planst Backups.

    Situation

    In einer Filiale fiel ein Sensor wegen leerer Batterie aus. Niemand bemerkte es zwei Wochen lang, weil 'kein Alarm' als 'alles in Ordnung' verstanden wurde.

    Deine Aufgabe

    Mache den Service betriebssicher.

    Gutes Ergebnis

    Grafana-Alarm 'Temperatur über Grenzwert seit 15 Minuten' per SMS an die Filialleitung. Technischer Alarm 'keine Daten seit 30 Minuten' und 'Batterie unter 20 %' per Mail an den IT-Support. Täglicher Backup der InfluxDB auf einen externen Speicher, monatlicher Restore-Test.

    fachlicher vs. technischer AlarmHeartbeat / No-Data-AlarmEskalationBackup und RestoreRunbook
  6. 6

    Sicherheit und Datenschutz über den ganzen Lebenszyklus planen

    Kompetenz E

    Du schützt den Service von der Inbetriebnahme der Geräte bis zur Ausserbetriebnahme. Du prüfst, ob Personendaten anfallen, und hältst dich an das Schweizer Datenschutzgesetz.

    Situation

    Die Metzgerei möchte zusätzlich Türkontakte an den Kühlräumen. Die Personalkommission befürchtet, dass so die Mitarbeitenden überwacht werden.

    Deine Aufgabe

    Beurteile das Vorhaben und plane die Sicherheitsmassnahmen.

    Gutes Ergebnis

    Türöffnungen lassen sich mit Dienstplänen verknüpfen und können damit Personendaten sein. Lösung: nur die Dauer offener Türen über 5 Minuten speichern, keine Einzelereignisse, Mitarbeitende informieren. Technisch: eigene Schlüssel pro Sensor (LoRaWAN AppKey), MQTT nur mit TLS und Benutzer pro Dienst, Grafana mit Rollen pro Filiale, Hosting in der Schweiz.

    Personendaten nach DSGDatenminimierungSchlüssel pro GerätTLSRollenkonzeptAusserbetriebnahme
  7. 7

    Kosten und Skalierung abschätzen und den Service präsentieren

    Kompetenz F

    Du rechnest einmalige und laufende Kosten realistisch und zeigst, was passiert, wenn der Service wächst. Die Lösung präsentierst du so, dass auch Nicht-Informatiker:innen entscheiden können.

    Situation

    Die Geschäftsleitung der Metzgerei will wissen, was die Lösung kostet und ob sie auch für 10 Filialen taugt.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Kostenschätzung und eine kurze Präsentation.

    Gutes Ergebnis

    Einmalig: 22 Sensoren à CHF 95, 5 Gateways à CHF 250, Einrichtung 40 Stunden à CHF 130, total rund CHF 8'500. Laufend: VM CHF 25 pro Monat, SMS-Dienst ca. CHF 10 pro Monat, Wartung 2 Stunden pro Monat. Bei 10 Filialen reicht dieselbe VM, nur Sensoren und Gateways kommen dazu. Präsentation in 10 Minuten mit Architekturbild, Live-Dashboard und Kostenübersicht.

    einmalige vs. laufende KostenSkalierungEngpassEntscheidungsgrundlageLive-Demo

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Anforderungen erheben

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Architektur und Datenmodell

Ziel 2Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Reproduzierbarer Aufbau

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Betrieb und Alarmierung

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Sicherheit und Datenschutz

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Kosten und Präsentation

Ziel 7

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Ein Überwachungsdienst für das Obstlager

Alina ist im 3. Lehrjahr als Informatikerin Applikationsentwicklung bei der Sensorik Bodensee AG in Kreuzlingen, 28 Mitarbeitende. Die Obstgenossenschaft Thurland lagert in 8 Kühlzellen jährlich rund 2000 Tonnen Äpfel und kontrolliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit bisher von Hand. Alina soll einen Dienst konzipieren und aufbauen, der die Zellen rund um die Uhr überwacht.

  1. Kapitel 1

    Was heisst eigentlich rechtzeitig?

    Im Gespräch will der Lagerchef bei jeder Abweichung von 0,5 Grad sofort eine SMS, die Qualitätsverantwortliche braucht die Daten zwei Jahre lang für Audits. Alina fragt nach, wie schnell ein Apfel bei 6 Grad wirklich Schaden nimmt, und einigt sich auf einen Messwert alle 5 Minuten und einen Alarm innert 15 Minuten. Sie hält 14 Anforderungen fest, davon 9 als Muss. Die SMS an den Lagerchef bleibt Muss, eine Anzeige in der Halle wird ein Kann.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Vom Kühlraum in die Datenbank

    In den Betonzellen dringt kein WLAN durch, deshalb setzt Alina auf LoRaWAN-Sensoren mit einem Gateway auf dem Dach und The Things Stack. Von dort gehen die Daten per MQTT an Telegraf und weiter in InfluxDB, Grafana zeigt sie an. Das Topic-Schema lautet thurland/halle1/zelle03/klima, jede Zelle ist ein Tag in der Datenbank. Rohdaten bleiben 90 Tage, danach rechnet ein Task Stundenmittel, die zwei Jahre aufbewahrt werden.

    Ziel 2Ziel 3

  3. Kapitel 3

    Ein Befehl, und alles läuft

    Alina beschreibt Mosquitto, Telegraf, InfluxDB und Grafana in einer docker-compose.yml und legt Passwörter und Tokens in eine .env-Datei, die nicht ins Repository kommt. Nach einem Neustart der VM beim Schweizer Hoster sind alle Dashboards weg, weil Grafana kein Volume hatte. Sie ergänzt die Volumes und testet die Wiederherstellung auf einer frischen VM. Nach 12 Minuten läuft der Dienst wieder mit allen Daten aus dem Backup.

    Ziel 4

  4. Kapitel 4

    Alarm oder Fehlalarm?

    Alina trennt zwei Arten von Alarmen. Liegt eine Zelle 15 Minuten über 4 Grad, bekommt der Lagerchef eine SMS und nach 30 Minuten ohne Quittung seine Stellvertretung. Sendet ein Sensor 30 Minuten lang nichts, geht eine Mail an den Support von Sensorik Bodensee. Weil beim Einlagern mit offenen Toren ständig Alarme kamen, gibt es nun einen Wartungsmodus, den der Lagerchef pro Zelle für zwei Stunden einschalten kann.

    Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Die Entscheidung im Vorstand

    Vor der Präsentation prüft Alina die Sicherheit: MQTT nur noch über TLS auf Port 8883, eigene Schlüssel pro Sensor und ein Ablauf, der beim Ausmustern eines Geräts dessen Schlüssel löscht. Der Lagerchef wünscht sich, dass jede Türöffnung mit dem Badge der Person gespeichert wird, Alina zeigt, dass das Personendaten nach DSG wären, und schlägt eine Erfassung pro Zelle ohne Namen vor. Sie rechnet mit CHF 9'600 einmalig und CHF 85 pro Monat und zeigt, dass 8 weitere Zellen nur CHF 2'900 dazu kosten würden. In 10 Minuten stellt sie dem Vorstand zwei Varianten vor, und er entscheidet sich für die Variante mit SMS-Alarm.

    Ziel 6Ziel 7

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Vom Wunsch zur Anforderung

    ca. 4 Std.

    Du lernst, ein IoT-Vorhaben in klare, messbare Anforderungen zu übersetzen.

    • Ein Rollenspiel-Interview mit einem 'Kunden' führen (Tutor:in oder Kollegin) und Anforderungen notieren
    • Anforderungen nach MoSCoW priorisieren und Abnahmekriterien formulieren
    • Drei bestehende IoT-Produkte analysieren: Welche Anforderungen erfüllen sie?

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Architektur und Datenmodell entwerfen

    ca. 5 Std.

    Du entwirfst die Gesamtarchitektur und das Datenmodell und begründest jede Technologiewahl.

    • Ein Architekturdiagramm mit allen Schichten, Protokollen und Ports in draw.io zeichnen
    • Topic-Struktur und JSON-Payload für mindestens zwei Gerätetypen definieren
    • Speicherbedarf für 2 Jahre berechnen und eine Downsampling-Strategie festlegen

    Trainiert Kompetenz B1B2B3

    Lernziel23

  3. 3

    Backend mit Containern aufbauen

    ca. 8 Std.

    Du setzt den Service mit Docker Compose auf, zuerst lokal, dann auf einer VM.

    • docker-compose.yml mit Mosquitto, Node-RED, InfluxDB und Grafana schreiben
    • Einen ESP32 oder einen simulierten Sensor (Python-Skript) Daten senden lassen
    • Den Stack auf eine Cloud-VM übertragen und mit Reverse Proxy und TLS absichern

    Trainiert Kompetenz C1C2B2

    Lernziel43

  4. 4

    Betriebssicher machen

    ca. 6 Std.

    Du richtest fachliche und technische Alarme ein und testest Backup und Restore.

    • Grafana-Alarme für Grenzwerte und fehlende Daten einrichten und gezielt auslösen
    • Ein Backup-Skript für InfluxDB schreiben und einen Restore auf einer leeren VM testen
    • Ein kurzes Runbook für die drei häufigsten Störungen schreiben

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel5

  5. 5

    Sicherheit und Datenschutz prüfen

    ca. 5 Std.

    Du gehst den ganzen Service aus Sicht eines Angreifers und aus Sicht des Datenschutzes durch.

    • Eine einfache Bedrohungsanalyse pro Schicht erstellen (was kann passieren, wie schützen wir uns)
    • Prüfen, welche Daten Personendaten sein könnten, und Massnahmen nach DSG festlegen
    • Anonymen MQTT-Zugriff, Standardpasswörter und offene Ports mit nmap gezielt suchen und schliessen

    Trainiert Kompetenz E1E2E3

    Lernziel6

  6. 6

    Kosten rechnen und präsentieren

    ca. 4 Std.

    Du schliesst das Projekt mit einer Kostenschätzung und einer Präsentation ab.

    • Einmalige und laufende Kosten in CHF zusammenstellen und eine Variante für doppelte Grösse rechnen
    • Eine 10-Minuten-Präsentation mit Live-Demo vorbereiten
    • Die Präsentation halten und Fragen zu Sicherheit und Kosten beantworten

    Trainiert Kompetenz F1F2F3A3

    Lernziel71

Üben

Übungen aus der Praxis

Anforderungen für Parkplatz-Belegung

Einstieg Einstieg

Eine Gemeinde möchte auf dem Bahnhofparkplatz (120 Plätze) anzeigen, wie viele Plätze frei sind. Die Anzeige soll auf der Gemeinde-Webseite und auf einer Tafel an der Einfahrt erscheinen.

Weist nach A1A2

  1. Fünf funktionale und drei nicht-funktionale Anforderungen formulieren
  2. Die Anforderungen nach MoSCoW priorisieren
  3. Für zwei Anforderungen messbare Abnahmekriterien schreiben
Tipp anzeigen

Frag dich bei jeder Anforderung: Wie würde ich bei der Abnahme prüfen, ob sie erfüllt ist?

Lösungsskizze anzeigen

Funktional z.B. Belegung pro Platz erfassen, Summe freier Plätze berechnen, Anzeige Webseite, Anzeige Tafel, Tagesstatistik. Nicht-funktional z.B. Aktualisierung innerhalb 60 Sekunden, Batterielaufzeit 5 Jahre, keine Kennzeichen erfassen. Abnahme: Auto parkiert, Anzeige ändert sich innerhalb 60 Sekunden.

Monitoring-Stack für Gewächshäuser

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Gärtnerei im Seeland hat 4 Gewächshäuser mit je 3 Sensoren (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bodenfeuchte). Sie möchte die Werte im Browser sehen und bei Frostgefahr gewarnt werden.

Weist nach B2C2D2

  1. Topic-Struktur und Datenmodell festlegen
  2. Den Stack mit Docker Compose aufbauen (Broker, Datenbank, Visualisierung)
  3. Sensorwerte simulieren oder mit ESP32 senden
  4. Einen Frostalarm unter 2 °C und einen No-Data-Alarm einrichten
Tipp anzeigen

Ein kleines Python-Skript mit paho-mqtt kann zwölf Sensoren simulieren. So musst du nicht auf Hardware warten.

Lösungsskizze anzeigen

Topics 'gaertnerei/gh{1-4}/{sensor}'. InfluxDB mit Tags 'haus' und 'sensor'. Compose mit Mosquitto, Telegraf (MQTT-Input), InfluxDB, Grafana. Grafana-Alarm unter 2 °C während 10 Minuten per Mail, No-Data-Alarm nach 30 Minuten. Volumes und .env-Datei für Passwörter.

Füllstandsüberwachung für eine Wasserversorgung

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Die Wasserversorgung einer Berggemeinde hat 6 Reservoirs, teilweise ohne Strom und Mobilfunk-Empfang. Der Brunnenmeister möchte Füllstände und Durchfluss auf dem Handy sehen und bei Tiefstand alarmiert werden. Die Gemeinde verlangt Hosting in der Schweiz und ein Budget unter CHF 15'000.

Weist nach A3B3E3F3

  1. Anforderungen aufnehmen und priorisieren
  2. Architektur mit Funktechnik, Gateway und Backend entwerfen und begründen
  3. Sicherheits- und Betriebskonzept inklusive Alarmierung und Backup erstellen
  4. Kosten einmalig und laufend in CHF schätzen
  5. Eine Präsentation für den Gemeinderat vorbereiten
Tipp anzeigen

Ohne Strom und Mobilfunk brauchst du eine energiesparende Funktechnik mit grosser Reichweite. Prüfe die Sichtverbindung zwischen Reservoirs und einem möglichen Gateway-Standort.

Lösungsskizze anzeigen

LoRaWAN-Sensoren mit Batterie, ein bis zwei Gateways an erhöhten Standorten mit Strom und Internet (z.B. Gemeindehaus, Schulhaus). The Things Stack, MQTT, InfluxDB, Grafana auf VM in der Schweiz. Alarme mit Eskalation (Brunnenmeister, dann Stellvertretung). Kritische Infrastruktur: eigene Schlüssel, Zugriff nur über VPN oder starke Authentifizierung, Restore-Test. Kosten z.B. CHF 9'000 bis 12'000 einmalig, ca. CHF 50 pro Monat laufend.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was ist der Unterschied zwischen einer funktionalen und einer nicht-funktionalen Anforderung?

Funktional beschreibt, was der Service tun soll (z.B. Alarm senden). Nicht-funktional beschreibt, wie gut er es tun soll (z.B. innerhalb 60 Sekunden, 99 % Verfügbarkeit).

Warum eignet sich eine Zeitreihendatenbank wie InfluxDB besser als eine klassische relationale Datenbank für Sensordaten?

Sie ist für viele Messwerte mit Zeitstempel optimiert, speichert sie kompakt und bietet eingebaute Funktionen für Aufbewahrung, Verdichtung und Zeitabfragen.

Was ist bei InfluxDB der Unterschied zwischen Tag und Feld?

Tags sind indizierte Metadaten zum Filtern und Gruppieren (z.B. Filiale). Felder sind die eigentlichen Messwerte (z.B. Temperatur) und nicht indiziert.

Warum braucht ein IoT-Service einen No-Data-Alarm?

Weil ein ausgefallener Sensor keine Grenzwerte mehr überschreitet. Ohne No-Data-Alarm bleibt ein Ausfall unbemerkt.

Wozu dient Downsampling?

Rohdaten werden nach einer Zeit zu Mittel-, Minimal- und Maximalwerten verdichtet. So bleiben Langzeitberichte schnell und der Speicher klein.

Wann können Sensordaten Personendaten im Sinne des DSG sein?

Wenn sie sich einer bestimmten oder bestimmbaren Person zuordnen lassen, z.B. Bewegungs- oder Türsensoren in Kombination mit Dienstplänen.

Warum gehören Passwörter nicht in die docker-compose.yml im Git-Repository?

Weil jede Person mit Zugriff auf das Repository sie sehen kann, auch in alten Versionen. Sie gehören in eine .env-Datei oder einen Secret-Speicher ausserhalb der Versionsverwaltung.

Welche zwei Kostenarten unterscheidest du in einer Kostenschätzung?

Einmalige Kosten (Hardware, Einrichtung) und laufende Kosten (Hosting, Abos, Wartung, Batteriewechsel).

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Direkt mit der Technik beginnen, ohne Anforderungen und Abnahmekriterien mit dem Kunden zu klären.
  • Rohdaten unbegrenzt aufbewahren, bis der Speicher voll ist und Dashboards langsam werden.
  • Nur Grenzwert-Alarme einrichten und den Ausfall von Sensoren übersehen.
  • Alle Dienste mit offenen Ports direkt ins Internet stellen, statt einen Reverse Proxy und TLS zu verwenden.
  • Laufende Kosten wie Batteriewechsel, SMS-Gebühren und Wartungsstunden vergessen.
  • Datenschutz erst prüfen, wenn das System schon läuft.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Starte jede Konzeptaufgabe mit einem Architekturdiagramm. Es dient als roter Faden für alle weiteren Antworten.
  • Begründe jede Technologiewahl mit einer konkreten Anforderung, z.B. 'LoRaWAN, weil keine Stromversorgung vorhanden ist'.
  • Denke immer an Betrieb und Sicherheit, auch wenn die Aufgabe nur nach dem Aufbau fragt.
  • Rechne Kosten nachvollziehbar mit Menge, Stückpreis und Summe in CHF.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Zeitreihendatenbank
Datenbank, die für Messwerte mit Zeitstempel optimiert ist, z.B. InfluxDB.
Downsampling
Verdichten älterer Rohdaten zu Durchschnitts-, Minimal- und Maximalwerten.
LoRaWAN-Netzwerkserver
Zentrale Komponente, die Daten von LoRaWAN-Gateways empfängt, entschlüsselt und an Anwendungen weitergibt.
Docker Compose
Werkzeug, um mehrere zusammengehörige Container mit einer Konfigurationsdatei zu starten.
Reverse Proxy
Vorgeschalteter Server, der Anfragen entgegennimmt, TLS abwickelt und an interne Dienste weiterleitet.
No-Data-Alarm
Alarm, der auslöst, wenn über eine definierte Zeit keine Daten eintreffen.
MoSCoW
Priorisierung in Must, Should, Could und Won't.
Runbook
Kurze Anleitung, wie bei einer bestimmten Störung vorzugehen ist.
Datenminimierung
Nur so viele Daten erfassen und speichern, wie für den Zweck nötig sind.

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Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
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