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Projekt & Methodik · Doku & Schulung

Benutzerdokumentation und Schulungsunterlagen erstellen

Du lernst, Anleitungen und Schulungen so zu gestalten, dass Mitarbeitende eine neue Software wirklich nutzen können, ohne bei jeder Frage den Support anzurufen.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 20 Std. SelbststudiumDigitales Business: 3. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Benutzerhandbuch#Kurzanleitung#Technisches Schreiben#Screenshots#Erklärvideo#Schulungskonzept#Lernziele#Wissensdatenbank#Feedback

Überblick

Worum geht es?

Eine gute Dokumentation beginnt nicht beim Schreiben, sondern bei der Frage: Wer liest das, in welcher Situation, und was will die Person erreichen? In diesem Modul wählst du für eine Zielgruppe die passende Form, von der einseitigen Kurzanleitung bis zum Erklärvideo. Du schreibst handlungsorientierte Anleitungen mit klaren Schritten und aussagekräftigen Screenshots und legst sie auffindbar und versioniert ab. Danach planst du eine Schulung mit Lernzielen, Übungen und Unterlagen und prüfst mit Testpersonen und Feedback, ob beides funktioniert.

Wofür brauchst du das?

Die beste Software bringt nichts, wenn die Leute sie nicht bedienen können. Gute Anleitungen senken Supportanfragen, beschleunigen die Einarbeitung neuer Mitarbeitender und machen Einführungen erfolgreich. Als Entwickler/in digitales Business kennst du die Fachprozesse und die Software und bist deshalb oft die richtige Person, um beides verständlich zu erklären. Das Modul ergänzt 218 (Einführung begleiten) und bereitet dich auf 310 (Workshops) und 372 (Schulung in einer Fremdsprache) vor.

Das solltest du schon können

  • Mit Microsoft 365 arbeiten: Word mit Formatvorlagen, SharePoint-Ablage, Teams (Modul 224)
  • Einen Geschäftsprozess lesen und in Schritten erklären (Modul 230)
  • Die Software, die du dokumentieren willst, selbst sicher bedienen

Typische Tools & Technologien

Microsoft Word (Formatvorlagen)SharePoint / ConfluenceSnagit / GreenshotScribeClipchamp / CamtasiaMicrosoft StreamMicrosoft FormsPowerPoint

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Zielgruppe und Nutzungssituation analysieren und die passende Dokumentationsform wählen

    Kompetenz A

    Du klärst, wer die Doku nutzt, was diese Personen schon können und wann sie nachschauen: am Schreibtisch, unterwegs auf dem Handy oder nur einmal im Jahr. Danach entscheidest du dich für Handbuch, Kurzanleitung, Quick Reference Card, FAQ, Video oder eine Kombination.

    Situation

    Eine Spitex-Organisation im Zürcher Oberland führt eine Tablet-App zur Leistungserfassung ein. Die 90 Pflegenden sind zwischen 20 und 63 Jahre alt, viele erfassen unterwegs im Auto zwischen zwei Einsätzen.

    Deine Aufgabe

    Analysiere die Zielgruppe und wähle die Dokumentationsformen.

    Gutes Ergebnis

    Persona 'Ruth, 58, Pflegefachfrau, nutzt das Handy vor allem für WhatsApp'. Entscheid: laminierte Karte mit den 6 häufigsten Handgriffen fürs Auto, 2-minütige Videos pro Aufgabe über QR-Code, FAQ im Intranet. Kein langes Handbuch, weil es unterwegs niemand liest.

    ZielgruppenanalysePersonaNutzungssituationDokumentationsartQuick Reference Card
  2. 2

    Handlungsorientierte Anleitungen schreiben, die man beim Arbeiten befolgen kann

    Kompetenz B

    Jede Anleitung löst eine konkrete Aufgabe. Du nennst Ziel und Voraussetzungen, schreibst nummerierte Schritte mit einer Handlung pro Schritt in der Befehlsform und beschreibst, woran man merkt, dass es geklappt hat. Fachbegriffe übernimmst du genau so, wie sie in der Software stehen.

    Situation

    Im Architekturbüro deines Lehrbetriebs werden Spesen neu im ERP Abacus erfasst. Die bisherige Anleitung ist ein Fliesstext über zwei Seiten.

    Deine Aufgabe

    Schreibe die Anleitung 'Spesen mit Beleg erfassen' neu.

    Gutes Ergebnis

    Titel als Aufgabe, Abschnitt 'Das brauchst du' (Foto des Belegs, Projektnummer), 8 nummerierte Schritte wie '3. Tippe auf Beleg hinzufügen und fotografiere die Quittung.', Hinweis zu Belegen über CHF 300, Schlusssatz 'Der Status zeigt jetzt In Prüfung.' Länge: eine Seite.

    HandlungsanweisungMinimalismusBefehlsformVoraussetzungErgebnisbeschreibung
  3. 3

    Screenshots, Markierungen und kurze Videos gezielt einsetzen

    Kompetenz C

    Bilder zeigen, wo etwas ist, Text erklärt, was zu tun ist. Du schneidest Screenshots auf den relevanten Ausschnitt zu, markierst die Klickstelle und nummerierst passend zu den Schritten. Personendaten auf Screenshots ersetzt du durch Testdaten. Für Abläufe mit vielen Klicks drehst du ein Video von höchstens drei Minuten.

    Situation

    Die Spesenanleitung enthält Vollbild-Screenshots, auf denen echte Namen und Kontonummern von Mitarbeitenden zu sehen sind.

    Deine Aufgabe

    Überarbeite die Bilder und ergänze ein Video.

    Gutes Ergebnis

    Screenshots aus der Testumgebung mit Testperson 'Muster Anna', auf den Arbeitsbereich zugeschnitten, rote Rahmen und Nummern passend zu den Schritten. Dazu ein Clipchamp-Video von 2:10 Minuten mit Untertiteln, auf Stream abgelegt und in der Anleitung verlinkt.

    Screenshot-BearbeitungMarkierungErklärvideoTestdatenUntertitel
  4. 4

    Dokumentation strukturieren, versionieren und auffindbar ablegen

    Kompetenz D

    Du gliederst die Dokumentation nach Aufgaben statt nach Menüpunkten, nutzt Formatvorlagen und ein Inhaltsverzeichnis und legst sie an einem bekannten Ort ab. Jedes Dokument hat Version, Datum und eine verantwortliche Person, damit es nach einem Software-Update aktualisiert wird.

    Situation

    In einem Getränkehandel in Burgdorf liegen 35 Anleitungen verstreut auf einem Netzlaufwerk, im Mailordner und ausgedruckt im Lager. Niemand weiss, welche aktuell ist.

    Deine Aufgabe

    Baue eine auffindbare Wissensablage auf.

    Gutes Ergebnis

    SharePoint-Seite 'So geht's' mit Kategorien Verkauf, Lager, Buchhaltung, Suche über Stichworte. Jede Anleitung mit Kopfzeile 'Version 1.3, 12.03., verantwortlich: Lager-Key-User'. 9 veraltete Dokumente gelöscht, 4 zusammengeführt. Ein Halbjahrestermin zur Überprüfung im Kalender.

    GliederungFormatvorlageVersionierungWissensdatenbankDokumentverantwortung
  5. 5

    Ein Schulungskonzept mit Lernzielen, Ablauf und Methoden erstellen

    Kompetenz E

    Du formulierst, was die Teilnehmenden nach der Schulung können sollen, und planst den Ablauf in Sequenzen mit Zeit, Inhalt, Methode und Material. Du wechselst zwischen kurzer Demo und eigener Übung ab und planst Raum, Geräte und Schulungsumgebung.

    Situation

    Ein Personalvermittler in Bern führt Dynamics 365 Sales ein. 16 Beraterinnen und Berater sollen in einer Halbtagesschulung fit gemacht werden.

    Deine Aufgabe

    Erstelle das Schulungskonzept.

    Gutes Ergebnis

    Lernziele wie 'Die Teilnehmenden erfassen eine neue Verkaufschance mit allen Pflichtfeldern in unter 3 Minuten.' Ablauf in 6 Sequenzen über 3,5 Std. mit 20 % Demo und 60 % Übung. Zwei Gruppen à 8 Personen, Schulungsumgebung mit Testdaten, Key User als Co-Trainerin.

    LernzielSequenzplanungMethodenwechselSchulungsumgebungZeitplan
  6. 6

    Übungsaufgaben und Schulungsunterlagen für Teilnehmende und Trainer erstellen

    Kompetenz E

    Teilnehmende brauchen realistische Übungsfälle mit vorbereiteten Daten und eine Unterlage, die sie danach am Arbeitsplatz nutzen können. Für die Trainerin erstellst du einen Leitfaden mit Ablauf, Lösungen und typischen Fragen.

    Situation

    Für die Dynamics-Schulung fehlen noch Übungen. Die Beraterinnen sollen echte Situationen aus ihrem Alltag durchspielen.

    Deine Aufgabe

    Erstelle drei Übungsfälle und die Unterlagen.

    Gutes Ergebnis

    Übung 1: Anfrage einer Zuger Treuhandfirma für eine Buchhalterin als Verkaufschance erfassen. Übung 2: Chance nach Gespräch auf Phase 'Offerte' setzen und Aufgabe 'Nachfassen' anlegen. Übung 3: Eigene Pipeline filtern. Teilnehmerunterlage mit Lösungsweg zum Nachschlagen, Trainerleitfaden mit Zeitangaben und den 5 häufigsten Fragen.

    ÜbungsfallTestdatenTeilnehmerunterlageTrainerleitfadenTransfer
  7. 7

    Dokumentation und Schulung mit Testpersonen und Feedback überprüfen

    Kompetenz F

    Du lässt eine Person aus der Zielgruppe die Anleitung ohne deine Hilfe ausführen und beobachtest, wo sie stockt. Nach Schulungen holst du Feedback ein und prüfst, ob die Lernziele erreicht wurden. Supportanfragen nach der Einführung zeigen dir, wo die Doku noch Lücken hat.

    Situation

    Die Spitex-Kurzkarte ist fertig. Vor dem Druck von 120 Exemplaren soll sie geprüft werden.

    Deine Aufgabe

    Teste die Karte mit der Zielgruppe und werte das Ergebnis aus.

    Gutes Ergebnis

    Drei Pflegende führen je 3 Aufgaben nur mit der Karte aus. Zwei suchen den Button 'Leistung abschliessen' unter 'Speichern'. Begriff auf der Karte angepasst und Screenshot ergänzt. Nach der Schulung Forms-Umfrage: 4,4 von 5 Punkten, aber 30 % wünschen mehr Übungszeit. In den ersten 4 Wochen 18 Supportanfragen, davon 7 zum Thema Wegzeiten, dafür neues FAQ erstellt.

    NutzertestBeobachtungFeedbackbogenLernerfolgskontrolleSupportanalyse

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Zielgruppe und Form wählen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Anleitungen schreiben

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Screenshots und Videos einsetzen

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Strukturieren und ablegen

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Schulung planen und Unterlagen erstellen

Ziel 5Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Wirkung überprüfen

Ziel 7

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Die Housekeeping-App im Hotel Bergkristall

Gian ist Entwickler digitales Business im 3. Lehrjahr beim Hotel Bergkristall in Davos mit 85 Mitarbeitenden. Ab Dezember meldet das Housekeeping den Zimmerstatus nicht mehr auf Zetteln, sondern mit einer App auf dem Smartphone. Gian erstellt die Anleitungen und schult die Teams vor dem Saisonstart.

  1. Kapitel 1

    Wer putzt, liest keine Handbücher

    Gian begleitet das Housekeeping einen Morgen lang. Von den 22 Mitarbeitenden sprechen viele vor allem Portugiesisch oder Spanisch, arbeiten unter Zeitdruck und tragen Handschuhe. Für sie plant er eine laminierte Kurzkarte mit Symbolen und einem QR-Code zu Videos von 60 Sekunden. Die zwei Gouvernanten erhalten eine ausführliche Anleitung, die Rezeption ein kurzes FAQ.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Ein Schritt, ein Bild

    Die erste Version der Anleitung umfasst drei Seiten Fliesstext. Gian schreibt sie in sechs Schritte mit je einer Handlung um, zum Beispiel '3. Tippe auf Zimmer gereinigt'. Auf seinen ersten Screenshots sind echte Gästenamen zu sehen, deshalb wiederholt er die Aufnahmen in der Testumgebung mit erfundenen Namen. Die Videos nimmt er als Bildschirmaufnahme ohne Ton auf und ergänzt Untertitel auf Deutsch und Portugiesisch.

    Ziel 2Ziel 3

  3. Kapitel 3

    Wo ist die aktuelle Version?

    Gian legt alle Unterlagen in SharePoint auf einer Seite 'Housekeeping-App' ab, jede Datei mit Version und Änderungsdatum. Der QR-Code auf der Kurzkarte zeigt auf die Seite statt auf eine einzelne Datei, damit er auch nach einem Update noch stimmt. Eine Gouvernante wird als verantwortliche Person eingetragen. Vor jedem Saisonstart prüft sie, ob die Anleitungen noch zur aktuellen App-Version passen.

    Ziel 4

  4. Kapitel 4

    45 Minuten vor der Schicht

    Gian plant drei Schulungen zu je 45 Minuten für Gruppen von acht Personen. Das Lernziel lautet: 'Nach der Schulung meldest du ein Zimmer selbstständig als gereinigt, gesperrt oder mit Schaden.' Nach zehn Minuten Vorzeigen üben die Teilnehmenden 25 Minuten lang in vier Testzimmern mit Übungskarten wie 'In Zimmer 214 ist die Leselampe defekt'. Für die Gouvernante, die später neue Mitarbeitende einführt, schreibt er einen Trainerleitfaden mit Musterlösungen.

    Ziel 5Ziel 6

  5. Kapitel 5

    Was die Testpersonen zeigen

    Vor dem Druck testet Gian die Kurzkarte mit drei Mitarbeitenden. Zwei finden die Funktion 'Schaden melden' nicht, weil das Symbol unklar ist, also ersetzt er es durch ein Werkzeug-Symbol. Nach den Schulungen fühlen sich 19 von 22 Personen laut einer kurzen Smiley-Umfrage sicher. Zwei Wochen nach dem Start sind die Rückfragen an der Rezeption von 15 auf 3 pro Tag gesunken.

    Ziel 7

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Für wen schreibst du?

    ca. 3 Std.

    Du lernst, Zielgruppen und Nutzungssituationen zu analysieren und daraus die Dokumentationsform abzuleiten.

    • Drei Anleitungen aus deinem Alltag (Gerät, App, Lehrbetrieb) nach Zielgruppe und Wirkung bewerten
    • Für eine Software im Lehrbetrieb zwei Personas erstellen
    • Für jede Persona die passende Dokumentationsform begründen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Anleitungen schreiben und bebildern

    ca. 5 Std.

    Du schreibst Anleitungen nach den Regeln des technischen Schreibens und ergänzt sie mit sauberen Screenshots.

    • Eine bestehende Fliesstext-Anleitung in nummerierte Schritte umschreiben
    • Screenshots mit Snagit oder Greenshot zuschneiden, markieren und anonymisieren
    • Ein Erklärvideo von maximal 3 Minuten aufnehmen und mit Untertiteln versehen

    Trainiert Kompetenz B1B2C1C2

    Lernziel23

  3. 3

    Ordnung schaffen

    ca. 3 Std.

    Du baust eine Struktur für mehrere Anleitungen auf und legst sie versioniert und auffindbar ab.

    • Ein Inhaltsverzeichnis nach Aufgaben statt Menüpunkten entwerfen
    • Eine Word-Vorlage mit Formatvorlagen und Kopfzeile für Version und Verantwortung erstellen
    • Eine SharePoint-Seite oder Wiki-Struktur für die Ablage einrichten

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  4. 4

    Eine Schulung planen

    ca. 3 Std.

    Du formulierst Lernziele und baust daraus einen Schulungsablauf mit Methodenwechsel.

    • Für eine Software 4 bis 6 überprüfbare Lernziele formulieren
    • Einen Sequenzplan mit Zeit, Inhalt, Methode und Material erstellen
    • Organisatorisches planen: Raum, Geräte, Schulungsumgebung, Testkonten

    Trainiert Kompetenz E1E2

    Lernziel5

  5. 5

    Unterlagen und Übungen

    ca. 3 Std.

    Du erstellst realistische Übungsfälle, eine Teilnehmerunterlage und einen Trainerleitfaden.

    • Drei Übungsfälle mit vorbereiteten Testdaten erstellen
    • Eine Teilnehmerunterlage zum Nachschlagen nach der Schulung gestalten
    • Einen Trainerleitfaden mit Lösungen und typischen Fragen schreiben

    Trainiert Kompetenz E2E3

    Lernziel6

  6. 6

    Testen, schulen, verbessern

    ca. 4 Std.

    Du testest deine Unterlagen mit echten Personen, führst eine Mini-Schulung durch und verbesserst alles anhand des Feedbacks. So sieht auch der Kompetenznachweis aus.

    • Eine Anleitung mit einer Testperson ohne deine Hilfe ausprobieren lassen und Stolperstellen notieren
    • Eine 30-minütige Schulungssequenz mit Kolleginnen durchführen
    • Feedback mit Microsoft Forms auswerten und Unterlagen überarbeiten

    Trainiert Kompetenz B3F1F2F3

    Lernziel762

Üben

Übungen aus der Praxis

Eine schlechte Anleitung retten

Einstieg Einstieg

Im Lehrbetrieb gibt es folgende Anleitung für das Buchen eines Sitzungszimmers: 'Um ein Zimmer zu buchen, muss man in Outlook in den Kalender gehen und dort einen neuen Termin machen, wobei man aufpassen muss, dass man den Raum bei den Teilnehmern hinzufügt, sonst ist er nicht gebucht, und man sieht dann, ob er frei ist, wenn man die Terminplanung öffnet.'

Weist nach B1

  1. Ziel und Voraussetzungen der Anleitung bestimmen
  2. Den Text in nummerierte Schritte mit je einer Handlung umschreiben
  3. Einen Hinweis und eine Ergebnisbeschreibung ergänzen
Tipp anzeigen

Lies jeden Schritt und frage: Kann ich genau eine Sache tun? Wenn du zweimal 'und' liest, teile den Schritt.

Lösungsskizze anzeigen

Titel 'Sitzungszimmer in Outlook buchen'. Voraussetzung: Outlook geöffnet. Schritte: Kalender öffnen, Neuer Termin, Titel und Zeit eingeben, Terminplanungs-Assistent öffnen, Raum über 'Räume hinzufügen' wählen, Verfügbarkeit prüfen, Senden. Hinweis: Ohne Senden ist der Raum nicht reserviert. Ergebnis: Der Raum erscheint als Teilnehmer mit 'Angenommen'.

Kurzanleitung und Video für ein Kassensystem

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Bäckerei-Kette mit 7 Filialen im Raum Luzern führt ein neues Kassensystem mit Kundenkarte ein. Viele Aushilfen arbeiten nur an Samstagen und haben keine Zeit für lange Schulungen.

Weist nach A2B2C2C3F2

  1. Die Zielgruppe analysieren und die Dokumentationsformen wählen
  2. Eine einseitige Kurzanleitung mit den 5 wichtigsten Abläufen erstellen
  3. Ein Video von maximal 2 Minuten für den Ablauf 'Kundenkarte belasten' planen und aufnehmen
  4. Die Kurzanleitung mit einer Person testen, die das System nicht kennt
Tipp anzeigen

Die Kurzanleitung hängt an der Kasse. Sie muss im Stehen in 5 Sekunden lesbar sein, also grosse Schrift, wenig Text, klare Bilder.

Lösungsskizze anzeigen

Formen: laminierte A4-Karte an der Kasse, Videos über QR-Code, kein Handbuch. Abläufe: Verkauf bar, Verkauf mit Karte, Kundenkarte belasten, Storno, Tagesabschluss. Pro Ablauf 3 bis 5 Schritte mit Symbol. Video: Bildschirmaufnahme mit Ton, 1:45 Minuten. Test mit einer Kollegin, die sie nicht kennt, Stolperstellen werden direkt angepasst.

Schulungspaket für eine neue Zeiterfassung

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Ein Ingenieurbüro in Zürich mit 75 Mitarbeitenden stellt die Projektzeiterfassung von Excel auf ein Modul im ERP um. Die Projektleitenden müssen zusätzlich Stunden freigeben und Auswertungen ziehen. Die Einführung ist in 6 Wochen.

Weist nach A3D3E3F3

  1. Zwei Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen beschreiben
  2. Ein Schulungskonzept mit Lernzielen und Sequenzplan für beide Gruppen erstellen
  3. Je zwei Übungsfälle mit Testdaten und einen Trainerleitfaden erstellen
  4. Die Ablage der Anleitungen mit Struktur und Versionierung planen
  5. Ein Verfahren zur Erfolgskontrolle nach der Einführung festlegen
Tipp anzeigen

Mitarbeitende brauchen vor allem 'Zeit erfassen' in 30 Minuten. Projektleitende brauchen mehr, z.B. Freigabe und Auswertungen. Plane deshalb zwei unterschiedlich lange Schulungen.

Lösungsskizze anzeigen

Gruppe Mitarbeitende: 45 Minuten online mit Übung 'Woche erfassen', Kurzanleitung und Video. Gruppe Projektleitende: 2 Std. vor Ort mit Freigabe, Korrektur und Projektauswertung. Lernziele mit messbaren Handlungen. Übungsfälle mit fiktiven Projekten wie 'Sanierung Schulhaus Altstetten'. Ablage auf SharePoint nach Rolle. Erfolgskontrolle: Feedback-Umfrage, Anteil vollständig erfasster Wochen nach 4 Wochen, Supportanfragen pro Thema.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Wann ist eine Kurzanleitung besser als ein Handbuch?

Wenn Nutzende eine häufige Aufgabe schnell nachschlagen wollen, z.B. am Arbeitsplatz oder unterwegs. Das Handbuch eignet sich für seltene oder komplexe Aufgaben.

Wie ist ein guter Anleitungsschritt aufgebaut?

Eine Handlung pro Schritt, in der Befehlsform, mit dem genauen Begriff aus der Software, z.B. 'Klicke auf Speichern.'

Was musst du bei Screenshots aus dem Echtsystem beachten?

Personendaten und vertrauliche Informationen entfernen oder durch Testdaten ersetzen, weil die Dokumentation breit verteilt wird.

Was macht ein Lernziel überprüfbar?

Es beschreibt eine beobachtbare Handlung mit Bedingung und Massstab, z.B. 'erfasst eine Spesenabrechnung mit Beleg ohne Hilfe in unter 5 Minuten'.

Warum sollte eine Schulung mehr Übung als Demo enthalten?

Weil man Software durch eigenes Tun lernt. Wer nur zuschaut, vergisst die Schritte schnell wieder.

Wozu dient ein Trainerleitfaden?

Er hält Ablauf, Zeiten, Lösungen und typische Fragen fest, damit auch eine andere Person die Schulung gleichwertig durchführen kann.

Wie prüfst du, ob eine Anleitung funktioniert?

Eine Person aus der Zielgruppe führt die Aufgabe nur mit der Anleitung aus, und du beobachtest, wo sie stockt oder Fehler macht.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Die Software Menüpunkt für Menüpunkt beschreiben statt die Aufgaben der Nutzenden.
  • Für sich selbst schreiben und Wissen voraussetzen, das die Zielgruppe nicht hat.
  • Vollbild-Screenshots ohne Markierung verwenden, auf denen man die Klickstelle suchen muss.
  • Echte Kundendaten oder Löhne auf Screenshots in der Dokumentation zeigen.
  • In der Schulung 90 Minuten am Stück präsentieren, ohne dass die Teilnehmenden selbst arbeiten.
  • Dokumente ohne Version und verantwortliche Person ablegen, sodass sie nach dem nächsten Update veraltet sind.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Begründe deine Wahl der Dokumentationsform ausdrücklich mit der Zielgruppe und der Nutzungssituation.
  • Halte dich konsequent an die Begriffe der Software. Ein Button heisst in der Anleitung genau so wie auf dem Bildschirm.
  • Zeige in der Abgabe, dass du getestet hast: Wer hat getestet, was wurde gefunden, was hast du geändert?
  • Formuliere Lernziele immer mit einem Verb, das man beobachten kann, z.B. erfassen, freigeben, auswerten, nicht 'verstehen'.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Benutzerdokumentation
Alle Unterlagen, die Nutzenden helfen, eine Software für ihre Aufgaben zu bedienen.
Quick Reference Card
Kurzübersicht auf einer Seite mit den wichtigsten Handgriffen.
Handlungsorientierung
Prinzip, Dokumentation nach den Aufgaben der Nutzenden statt nach den Funktionen der Software aufzubauen.
Persona
Fiktive, aber typische Person einer Zielgruppe mit Eigenschaften, Zielen und Gewohnheiten.
Formatvorlage
Gespeicherte Formatierung in Word für Überschriften und Text, die einheitliche Gestaltung und automatische Verzeichnisse ermöglicht.
Lernziel
Beschreibung dessen, was Teilnehmende nach der Schulung beobachtbar können sollen.
Sequenzplan
Ablaufplan einer Schulung mit Zeit, Inhalt, Methode und Material pro Abschnitt.
Trainerleitfaden
Unterlage für die schulende Person mit Ablauf, Lösungen und Hinweisen.
Nutzertest
Prüfung, bei der Personen aus der Zielgruppe eine Aufgabe ausführen und dabei beobachtet werden.

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Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
Genau. Willst du die Bestellungen zählen oder nur die Kundinnen sehen? Je nachdem hilft dir GROUP BY oder DISTINCT.

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So helfen wir dir bei Modul 219

  • Wir lesen deine Anleitung als echte Zielgruppe und zeigen dir genau, an welchem Schritt wir hängenbleiben und warum.
  • Wir zeigen dir, wie du mit Snagit, Scribe oder Clipchamp in kurzer Zeit saubere Screenshots und Erklärvideos erstellst.
  • Wir helfen dir, für deine Schulung überprüfbare Lernziele und einen realistischen Sequenzplan zu formulieren.
  • Du hältst bei uns eine Probeschulung, wir spielen die Teilnehmenden mit typischen Fragen und geben dir danach konkretes Feedback.

Unverbindlich anfragen. Wir melden uns innert 24 Stunden.

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