262

Business & Prozesse · ICT-Evaluation

Evaluation von ICT-Mitteln durchführen

Du lernst, für eine Beschaffung von Hardware oder Software die Anforderungen zu klären, Angebote fair zu vergleichen und eine begründete Empfehlung abzugeben.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 22 Std. SelbststudiumICT-Fachleute (bis 2025): 3. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Evaluation#Beschaffung#Kriterienkatalog#Nutzwertanalyse#TCO#Offertvergleich#Anforderungen#Entscheidungsantrag

Überblick

Worum geht es?

Neue Laptops, ein Multifunktionsdrucker oder eine Software für die Ticketverwaltung: Bevor ein Betrieb Geld ausgibt, braucht es eine nachvollziehbare Entscheidung. In diesem Modul erhebst du die Anforderungen der Benutzenden, baust einen gewichteten Kriterienkatalog und holst vergleichbare Offerten ein. Mit einer Nutzwertanalyse und einer Kostenbetrachtung über die ganze Nutzungsdauer vergleichst du die Varianten, testest die Favoriten in der Praxis und fasst alles in einem Evaluationsbericht mit klarer Empfehlung zusammen.

Wofür brauchst du das?

In KMU entscheidet oft die ICT-Fachperson mit, welche Geräte und Programme gekauft werden. Eine schlechte Wahl kostet über vier bis fünf Jahre viel Geld und Nerven, etwa weil Ersatzteile fehlen oder Lizenzen teurer sind als gedacht. Eine sauber dokumentierte Evaluation schützt dich und den Betrieb und überzeugt die Geschäftsleitung. Die Methoden brauchst du auch in 306 (Kleinprojekte) und in der IPA.

Das solltest du schon können

  • In Excel mit Formeln, absoluten Bezügen und einfachen Diagrammen arbeiten (Modul 260)
  • Technische Daten von Computern verstehen: CPU, RAM, SSD, Anschlüsse, Garantie (Modul 304)
  • Mit Prozenten rechnen und Beträge mit und ohne MWST umrechnen

Typische Tools & Technologien

Microsoft ExcelMicrosoft Word / PowerPointMicrosoft FormsHerstellerdatenblätterOnline-Händler für Geschäftskunden (z.B. Brack Business, Littlebit)Energie- und Umweltlabels (Energy Star, TCO Certified, EPEAT)

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Anforderungen erheben und in Muss- und Kann-Kriterien gliedern

    Kompetenz A

    Du findest heraus, was die Benutzenden wirklich brauchen, indem du die heutige Situation analysierst und mit den Betroffenen sprichst. Danach trennst du Muss-Kriterien, die jede Variante erfüllen muss, von Kann-Kriterien, die du gewichtet bewertest.

    Situation

    Ein Architekturbüro in Chur mit 18 Mitarbeitenden will die vier Jahre alten Laptops ersetzen. Die Geschäftsleitung sagt nur: «Sie sollen schneller sein.»

    Deine Aufgabe

    Erhebe die Anforderungen mit Interviews und einer Ist-Analyse.

    Gutes Ergebnis

    Ist-Analyse: ArchiCAD läuft ruckelig, 16 GB RAM sind voll ausgelastet. Interviews zeigen, dass alle zwei externe Monitore brauchen und oft auf Baustellen arbeiten. Muss: dedizierte Grafikkarte mit ArchiCAD-Zertifizierung, 32 GB RAM, Thunderbolt-Dock-Kompatibilität. Kann: Gewicht unter 2 kg, lange Akkulaufzeit, 3 Jahre Vor-Ort-Garantie.

    Ist-AnalyseStakeholderMuss-KriteriumKann-KriteriumMengengerüst
  2. 2

    Einen gewichteten Kriterienkatalog erstellen

    Kompetenz A

    Du fasst die Kann-Kriterien in Gruppen wie Funktion, Leistung, Kosten, Service und Umwelt zusammen und gewichtest sie in Prozent, total 100 %. Jedes Kriterium formulierst du so, dass es messbar oder klar bewertbar ist.

    Situation

    Für die Laptops im Architekturbüro liegen 12 Kann-Kriterien vor. Die Geschäftsleitung findet den Preis am wichtigsten, die Mitarbeitenden die Leistung.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Katalog mit Gewichtung, auf den sich beide Seiten einigen können.

    Gutes Ergebnis

    Leistung 30 %, Preis 25 %, Garantie und Service 20 %, Akkulaufzeit 15 %, Gewicht 10 %. Zu jedem Kriterium eine Bewertungsskala, zum Beispiel Akku: 5 Punkte ab 10 Std., 1 Punkt unter 5 Std. Der Katalog wird von der Geschäftsleitung vor dem Offertvergleich unterschrieben.

    KriterienkatalogGewichtungBewertungsskalaMessbarkeitFreigabe
  3. 3

    Markt sichten und vergleichbare Offerten einholen

    Kompetenz B

    Du suchst passende Produkte, stellst eine klare Anfrage an mehrere Lieferanten und bringst die Offerten auf eine vergleichbare Basis: gleiche Leistung, gleiche Mengen, alle Beträge entweder inkl. oder exkl. MWST, Zusatzkosten eingerechnet.

    Situation

    Für 18 Laptops liegen zwei Offerten vor. Lieferant A: CHF 1'190 pro Gerät inkl. MWST, ohne Einrichtung. Lieferant B: CHF 1'050 pro Gerät exkl. MWST plus CHF 45 für Einrichtung und Inventarisierung.

    Deine Aufgabe

    Mache die Offerten vergleichbar.

    Gutes Ergebnis

    B kostet CHF 1'095 exkl. MWST, mit 8.1 % MWST also CHF 1'183.70 pro Gerät, inkl. Einrichtung. A ist mit CHF 1'190 ohne Einrichtung teurer und verursacht zusätzlich internen Aufwand. Unterschied auf 18 Geräte: rund CHF 113 zugunsten von B, plus eingesparte Arbeitszeit.

    MarktübersichtOffertanfrageVergleichbarkeitMWST 8.1 %Nebenkosten
  4. 4

    Varianten mit einer Nutzwertanalyse bewerten

    Kompetenz C

    Du bewertest jede Variante pro Kriterium mit Punkten, multiplizierst mit der Gewichtung und summierst. Liegen Varianten knapp beieinander, prüfst du mit einer Sensitivitätsanalyse, ob sich die Rangfolge bei leicht anderer Gewichtung ändert.

    Situation

    Drei Laptop-Modelle erfüllen alle Muss-Kriterien. Bewertung auf einer Skala von 1 bis 5 mit den Gewichten Leistung 30 %, Preis 25 %, Service 20 %, Akku 15 %, Gewicht 10 %.

    Deine Aufgabe

    Berechne den Nutzwert und prüfe, ob das Ergebnis stabil ist.

    Gutes Ergebnis

    Modell C erreicht 4.00 (Leistung 3, Preis 5, Service 4, Akku 5, Gewicht 3), Modell A 3.95 (4, 3, 5, 4, 4), Modell B 3.85. Verschiebt man 5 % vom Preis zum Service, liegt A mit 4.05 vor C mit 3.95. Fazit: Das Ergebnis ist knapp, die Teststellung soll entscheiden.

    NutzwertanalyseTeilnutzenGewichtete SummeSensitivitätsanalyseRangfolge
  5. 5

    Kosten über die ganze Nutzungsdauer vergleichen

    Kompetenz D

    Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Kosten. Du rechnest die Total Cost of Ownership über die geplante Nutzungsdauer: Anschaffung oder Leasing, Wartung, Verbrauchsmaterial, Lizenzen, Energie und internen Aufwand.

    Situation

    Eine Schulverwaltung braucht einen Multifunktionsdrucker für 5 Jahre, jährlich 60'000 Seiten schwarz-weiss und 15'000 Seiten farbig. Kauf: CHF 4'800, Klickpreise 1.2 und 6.5 Rappen, Wartung CHF 450 pro Jahr. Leasing: CHF 95 pro Monat inkl. Wartung, Klickpreise 1.0 und 5.5 Rappen. Alle Beträge exkl. MWST.

    Deine Aufgabe

    Vergleiche die Kosten über fünf Jahre.

    Gutes Ergebnis

    Kauf: 4'800 + 5 × (720 + 975 + 450) = CHF 15'525. Leasing: 5 × (1'140 + 600 + 825) = CHF 12'825. Leasing ist über die Laufzeit CHF 2'700 günstiger, obwohl die Monatsrate auf den ersten Blick teuer wirkt.

    Total Cost of OwnershipKauf vs. LeasingKlickpreisNutzungsdauerBetriebskosten
  6. 6

    Favoriten mit einer Teststellung praktisch prüfen

    Kompetenz E

    Datenblätter sagen nicht alles. Du organisierst eine Teststellung beim Lieferanten, legst Testfälle fest, lässt echte Benutzende testen und hältst die Ergebnisse in einem Testprotokoll fest.

    Situation

    Im Architekturbüro liegen Modell A und C knapp beieinander. Beide Lieferanten stellen je ein Testgerät für eine Woche zur Verfügung.

    Deine Aufgabe

    Plane und protokolliere den Test.

    Gutes Ergebnis

    Testfälle: grosses ArchiCAD-Modell öffnen (Zeit messen), Betrieb mit Dock und zwei 4K-Monitoren, Akku bei typischer Baustellenarbeit, Lautstärke unter Last. Drei Mitarbeitende testen je zwei Tage. Ergebnis: Modell C wird unter Last laut und drosselt, Modell A öffnet das Modell 25 Sekunden schneller. A wird empfohlen.

    TeststellungTestfallTestprotokollBenutzerbeteiligungProof of Concept
  7. 7

    Einen Evaluationsbericht mit klarer Empfehlung verfassen

    Kompetenz F

    Du fasst Ausgangslage, Anforderungen, Varianten, Bewertung, Kosten und Testergebnisse in einem Bericht zusammen. Am Schluss steht eine eindeutige Empfehlung mit Begründung, Risiken und nächsten Schritten, die die Geschäftsleitung in fünf Minuten erfassen kann.

    Situation

    Die Geschäftsleitung des Architekturbüros will an der Sitzung am Freitag entscheiden und hat 15 Minuten Zeit.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Kurzbericht und eine Entscheidungsvorlage.

    Gutes Ergebnis

    Eine Seite Management Summary: Empfehlung Modell A über Lieferant B, 18 Geräte, total CHF 21'306.60 inkl. MWST und Einrichtung, Lieferung in 3 Wochen. Begründung in drei Punkten, Risiko: Lieferverzögerung, Gegenmassnahme: Bestellung bis 15. Oktober. Im Anhang Kriterienkatalog, Nutzwertanalyse und Testprotokoll.

    EvaluationsberichtManagement SummaryEntscheidungsantragRisikoNächste Schritte

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Anforderungen und Kriterien

Ziel 1Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Markt und Offerten

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Nutzwertanalyse

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Kosten über die Nutzungsdauer

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Praxistest

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Empfehlung begründen

Ziel 7

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Robuste Tablets für die Monteure der Sanitär Frei AG

Matteo ist im 3. Lehrjahr als ICT-Fachmann bei der Sanitär Frei AG in Frauenfeld, 65 Mitarbeitende, davon 30 Monteure. Die Arbeitsrapporte werden noch auf Papier ausgefüllt und im Büro abgetippt. Die Geschäftsleitung will robuste Tablets einführen und beauftragt Matteo mit der Evaluation.

  1. Kapitel 1

    Was müssen die Geräte aushalten?

    Matteo begleitet einen Monteur einen halben Tag auf eine Baustelle und befragt danach Disposition und Geschäftsleitung. Muss-Kriterien sind die Android-Rapport-App, Schutzklasse IP65, LTE und ein Akku für einen ganzen Arbeitstag. Bei der Gewichtung will der Chef den Preis mit 40 Prozent bewerten. Matteo zeigt, dass ein Ausfall auf der Baustelle mehr kostet als ein teureres Gerät, und man einigt sich auf 25 Prozent.

    Ziel 1Ziel 2

  2. Kapitel 2

    Drei Offerten, drei Formate

    Matteo schickt eine Offertanfrage an vier Händler, drei antworten. Händler A bietet CHF 690 exkl. MWST ohne Schutzhülle, Händler B CHF 820 inkl. MWST mit drei Jahren Garantie, Händler C ein Mietmodell pro Monat. Matteo rechnet alles auf inkl. MWST, vier Jahre Laufzeit und gleiches Zubehör um. Erst jetzt sind die Angebote wirklich vergleichbar.

    Ziel 3

  3. Kapitel 3

    Rechnen bis zum Schluss

    In der Nutzwertanalyse liegt B mit 4,1 Punkten vor C mit 3,9 und A mit 3,6. Die TCO-Rechnung für 30 Geräte über vier Jahre enthält Hüllen, die MDM-Lizenz und erwartete Displaybrüche. A ist in der Anschaffung am günstigsten, wird aber wegen der höheren Bruchrate teurer als B. Auch wenn Matteo den Preis testweise mit 35 Prozent gewichtet, bleibt B vorne.

    Ziel 4Ziel 5

  4. Kapitel 4

    Zwei Wochen auf der Baustelle

    Vier Monteure testen die Geräte B und C nach einem Testprotokoll mit acht Testfällen. Beim Modell C erkennt der Barcode-Scanner der App Artikelnummern bei direkter Sonne nur schlecht. Der Akku von B hält im Schnitt 9,5 Stunden. Die Monteure füllen zum Schluss einen kurzen Feedbackbogen aus.

    Ziel 6

  5. Kapitel 5

    15 Minuten für die Geschäftsleitung

    Matteo schreibt einen Bericht von sechs Seiten mit einer Management Summary auf einer Seite, Risiken und einem groben Einführungsplan. In der Sitzung fragt der Chef, ob die Miete von C nicht doch günstiger wäre. Matteo zeigt den TCO-Vergleich und den Testbefund zum Scanner. Die Geschäftsleitung entscheidet sich für 30 Geräte des Modells B.

    Ziel 7

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Ablauf einer Evaluation verstehen

    ca. 3 Std.

    Du lernst die Phasen einer Evaluation kennen und analysierst eine echte Beschaffung aus deinem Lehrbetrieb.

    • Die Phasen Anforderungen, Kriterien, Markt, Bewertung, Test, Empfehlung an einem Beispiel skizzieren
    • Eine vergangene Beschaffung im Lehrbetrieb rekonstruieren: Wie wurde entschieden?
    • Für ein Beispiel Muss- und Kann-Kriterien unterscheiden

    Trainiert Kompetenz A1

    Lernziel1

  2. 2

    Kriterien und Gewichtung

    ca. 4 Std.

    Du baust einen Kriterienkatalog mit messbaren Kriterien und einer begründeten Gewichtung.

    • Zu einem Szenario 10 Kriterien formulieren und auf Messbarkeit prüfen
    • Die Gewichtung mit einem Paarvergleich herleiten
    • Zu jedem Kriterium eine Punkteskala von 1 bis 5 definieren

    Trainiert Kompetenz A2

    Lernziel2

  3. 3

    Markt und Offerten

    ca. 4 Std.

    Du recherchierst Produkte, schreibst eine Offertanfrage und machst Angebote vergleichbar.

    • Für ein Gerät drei passende Modelle auf Händler- und Herstellerseiten suchen
    • Eine Offertanfrage mit Mengen, Leistungen und Lieferfrist schreiben
    • Drei Beispielofferten auf dieselbe Basis inkl. MWST und Nebenkosten bringen

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel3

  4. 4

    Bewerten und rechnen

    ca. 5 Std.

    Du setzt Nutzwertanalyse und TCO-Rechnung in Excel um und prüfst die Stabilität deines Ergebnisses.

    • Eine Excel-Vorlage für Nutzwertanalysen mit Formeln und bedingter Formatierung bauen
    • Eine Sensitivitätsanalyse mit veränderten Gewichten durchführen
    • Kauf und Leasing für ein Gerät über fünf Jahre vergleichen

    Trainiert Kompetenz C1C2D1D2

    Lernziel45

  5. 5

    Testen und entscheiden

    ca. 3 Std.

    Du planst eine Teststellung und schreibst einen Evaluationsbericht mit Empfehlung.

    • Fünf Testfälle mit Erwartung und Messgrösse für die Favoriten formulieren
    • Ein Testprotokoll ausfüllen, idealerweise mit einem echten Gerät
    • Eine einseitige Management Summary schreiben und in 5 Minuten präsentieren

    Trainiert Kompetenz E1E2F1

    Lernziel67

  6. 6

    Komplette Evaluation

    ca. 3 Std.

    Du führst eine vollständige Evaluation für ein realistisches Szenario durch, wie sie im Kompetenznachweis verlangt wird.

    • Anforderungen, Katalog, Offertvergleich, Nutzwertanalyse und TCO zu einem Szenario erstellen
    • Alles in einem Bericht mit Anhang zusammenführen
    • Den Bericht von einer Tutorin oder einem Kollegen gegenlesen lassen

    Trainiert Kompetenz A3B3C3D3F2

    Lernziel123457

Üben

Übungen aus der Praxis

Kriterienkatalog für Headsets

Einstieg Einstieg

Ein Callcenter einer Krankenkasse in Luzern ersetzt 40 Headsets. Die Mitarbeitenden telefonieren über Teams, viele tragen eine Brille, und im Grossraumbüro ist es laut.

Weist nach A1

  1. Drei Muss-Kriterien festlegen
  2. Fünf bis sieben Kann-Kriterien formulieren und gewichten
  3. Für zwei Kriterien eine Punkteskala von 1 bis 5 definieren
Tipp anzeigen

Ein Kriterium wie «guter Klang» ist nicht messbar. Frag dich: Woran würde ich das im Test erkennen?

Lösungsskizze anzeigen

Muss: Teams-zertifiziert, aktive Geräuschunterdrückung am Mikrofon, USB-Anschluss. Kann: Tragekomfort mit Brille 25 %, Mikrofonqualität im Lärm 25 %, Preis 20 %, Akkulaufzeit bei kabellos 10 %, Garantie 10 %, Ersatzpolster erhältlich 10 %. Skala Garantie: 1 Punkt = 1 Jahr, 3 Punkte = 2 Jahre, 5 Punkte = 3 Jahre oder mehr.

Nutzwertanalyse in Excel mit Sensitivitätsprüfung

Fortgeschritten Fortgeschritten

Für die Headsets sind drei Modelle in der engeren Wahl. Du hast die Bewertungen aus einem Test mit fünf Mitarbeitenden. Die Teamleiterin möchte wissen, ob das Ergebnis eindeutig ist.

Weist nach C2

  1. Die Nutzwertanalyse in Excel mit Gewichten in einer eigenen Zeile aufbauen
  2. Den Nutzwert jeder Variante mit SUMMENPRODUKT berechnen
  3. Die Gewichtung des Preises um 10 Prozentpunkte erhöhen und das Ergebnis vergleichen
  4. Eine Aussage zur Stabilität der Rangfolge formulieren
Tipp anzeigen

Prüfe mit einer Kontrollzelle, dass die Gewichte immer genau 100 % ergeben, auch nach der Änderung.

Lösungsskizze anzeigen

Gewichte in Zeile 2, Punkte pro Variante darunter. Nutzwert: =SUMMENPRODUKT($B$2:$G$2;B3:G3). Kontrollzelle =SUMME(B2:G2) mit bedingter Formatierung rot bei ungleich 100 %. Für die Sensitivität ein zweites Blatt mit angepassten Gewichten. Aussage zum Beispiel: «Modell B bleibt in beiden Szenarien vorne, die Empfehlung ist robust.»

Ticketsystem für ein KMU evaluieren

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Ein IT-Team von drei Personen in einem Industriebetrieb mit 150 Mitarbeitenden arbeitet bisher mit einem geteilten Postfach. Zur Auswahl stehen Jira Service Management, Freshservice und ein lokal installiertes Open-Source-Tool. Budget: höchstens CHF 6'000 pro Jahr. Daten müssen gemäss revDSG geschützt sein.

Weist nach C2D3E3F3

  1. Anforderungen mit dem IT-Team und zwei Benutzenden erheben
  2. Kriterienkatalog mit Muss- und Kann-Kriterien erstellen
  3. Kosten über drei Jahre inkl. Lizenzen, Einführung und Betrieb berechnen
  4. Nutzwertanalyse und Test mit Testinstanzen durchführen
  5. Einen Evaluationsbericht mit Empfehlung schreiben
Tipp anzeigen

Vergiss beim Open-Source-Tool nicht die internen Kosten für Server, Updates und Betreuung. Gratis-Lizenz heisst nicht gratis.

Lösungsskizze anzeigen

Muss: E-Mail-zu-Ticket, Self-Service-Portal, SLA-Regeln, Datenhaltung in der Schweiz oder EU mit Auftragsbearbeitungsvertrag. TCO pro Variante über drei Jahre: Agentenlizenzen × 3 Personen × 36 Monate, Einführung, beim Open-Source-Tool Server und etwa 4 Std. Betreuung pro Monat zum internen Stundensatz. Nutzwertanalyse mit Bedienbarkeit, Automatisierung, Wissensdatenbank, Reporting, Kosten. Bericht mit Management Summary, Empfehlung, Risiken (Datenmigration, Akzeptanz) und Einführungsplan.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was ist der Unterschied zwischen einem Muss- und einem Kann-Kriterium?

Ein Muss-Kriterium ist ein Ausschlusskriterium: Wer es nicht erfüllt, fällt weg. Kann-Kriterien werden gewichtet und mit Punkten bewertet.

Warum legst du die Gewichtung fest, bevor du die Offerten anschaust?

Damit die Gewichtung nicht unbewusst so gewählt wird, dass ein Favorit gewinnt. So bleibt die Bewertung fair und nachvollziehbar.

Wie rechnest du CHF 1'000 exkl. MWST in einen Betrag inkl. MWST um?

1'000 × 1.081 = CHF 1'081.00.

Wie berechnet sich der Nutzwert einer Variante?

Für jedes Kriterium Punkte × Gewichtung rechnen und alle Teilnutzen addieren.

Wozu dient eine Sensitivitätsanalyse?

Sie zeigt, ob sich die Rangfolge ändert, wenn man die Gewichtung leicht verschiebt. So erkennt man, ob ein Ergebnis robust oder knapp ist.

Nenne vier Kostenarten, die in eine TCO-Rechnung gehören.

Zum Beispiel Anschaffung oder Leasing, Wartung und Support, Verbrauchsmaterial oder Lizenzen und Energie. Dazu kommt interner Aufwand für Einrichtung und Betreuung.

Was gehört in eine Management Summary?

Empfehlung, Kosten, wichtigste Begründungen, Risiken und nächste Schritte, kurz genug, um sie in wenigen Minuten zu lesen.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Kriterien wie «benutzerfreundlich» oder «gute Qualität» ohne messbare Bewertungsskala verwenden.
  • Offerten vergleichen, bei denen eine inkl. und eine exkl. MWST ist oder Einrichtung und Versand fehlen.
  • Nur den Kaufpreis betrachten und Verbrauchsmaterial, Lizenzen oder Wartung über die Nutzungsdauer vergessen.
  • Die Gewichtung nachträglich ändern, damit das Lieblingsprodukt gewinnt.
  • Benutzende erst nach der Beschaffung einbeziehen und dann auf Ablehnung stossen.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Zeig deinen Rechenweg bei MWST, TCO und Nutzwert. Auch bei einem Rechenfehler gibt der Weg Punkte.
  • Achte darauf, dass die Gewichte genau 100 % ergeben, und schreib das sichtbar hin.
  • Formuliere am Schluss eine eindeutige Empfehlung. «Beide Varianten sind gut» ist keine Empfehlung.
  • Begründe bei knappen Ergebnissen, welches zusätzliche Kriterium oder welcher Test den Ausschlag gibt.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Evaluation
Systematischer Vergleich von Varianten mit dem Ziel, eine begründete Auswahl zu treffen.
Muss-Kriterium
Anforderung, die jede Variante zwingend erfüllen muss. Sonst scheidet sie aus.
Kann-Kriterium
Wünschbare Eigenschaft, die gewichtet und mit Punkten bewertet wird.
Kriterienkatalog
Liste aller Bewertungskriterien mit Gewichtung und Bewertungsskala.
Nutzwertanalyse
Bewertungsmethode, bei der Punkte pro Kriterium mit der Gewichtung multipliziert und summiert werden.
Sensitivitätsanalyse
Prüfung, wie stark sich ein Ergebnis bei veränderten Annahmen oder Gewichten verändert.
Total Cost of Ownership
Gesamtkosten eines Produkts über die ganze Nutzungsdauer, nicht nur der Kaufpreis.
Teststellung
Zeitlich begrenzte Bereitstellung eines Produkts, um es unter realen Bedingungen zu prüfen.

Mit KI-Tutor

Jeder Kurs hat einen persönlichen KI-Tutor

  • Erklärt in deinem Tempo
  • Debuggt mit dir
  • Fachgespräch wie im QV
  • Unbegrenzt neue Übungen

Denkanstösse statt fertiger Lösungen. In der Gratis-Lektion zum Ausprobieren.

KI-Tutor · Modul 164Nur Tipps

Mein JOIN liefert plötzlich doppelte Zeilen. Was mache ich falsch?
Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
Genau. Willst du die Bestellungen zählen oder nur die Kundinnen sehen? Je nachdem hilft dir GROUP BY oder DISTINCT.

Tutavio

So helfen wir dir bei Modul 262

  • Wir prüfen mit dir deinen Kriterienkatalog und formulieren schwammige Kriterien so um, dass sie messbar werden.
  • Wir bauen mit dir eine Excel-Vorlage für Nutzwertanalyse und Sensitivitätsprüfung, die du für jede künftige Evaluation verwenden kannst.
  • Wir rechnen gemeinsam Offertvergleiche und TCO-Beispiele mit MWST, Leasing und Klickpreisen durch, bis du sicher bist.
  • Wir lesen deinen Evaluationsbericht wie eine Geschäftsleitung und geben dir Rückmeldung, ob die Empfehlung klar und überzeugend ist.

Unverbindlich anfragen. Wir melden uns innert 24 Stunden.

Tutor:in für Modul 262 finden

Passende Module

Diese Seite ist eine eigene Lernhilfe von Tutavio und keine offizielle Modulbeschreibung. Nummer, Titel und Einordnung stammen aus den öffentlichen Bildungsplänen. Die verbindliche Modulidentifikation findest du im Modulbaukasten von ICT-Berufsbildung Schweiz.

Gratis-LektionNachhilfe